DE EN

Technikzentrum Minden-Lübbecke

Bewusstseinsbildung für Energieerzeugung und –verbrauch

Verbraucher, die Ökostrom in eigenen Erneuerbaren Energien-Anlagen erzeugen und ihn teilweise oder ganz selbst nutzen, so genannte „Prosumer“, spielen eine wichtige Rolle bei der Ausgestaltung der Energiewende. Doch noch ist ihre Anzahl zu gering. Das Technikzentrum Minden-Lübbecke will dies ändern und wird zum „Energiedemonstrationshaus“, das Besucherinnen und Besucher über die verschiedenen Systeme der Energieerzeugung und des -verbrauchs informiert.

Bisher decken rund 150.000 Haushalte in Nordrhein-Westfalen einen Teil ihres Strombedarfs durch Photovoltaik oder Kraft-Wärme-Kopplung. Durch starkes Wachstum in diesen Bereichen und das Hinzukommen von Mieterstromprojekten könnte diese Zahl nach einer Studie des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) im Auftrag der Verbraucherzentrale NRW bis 2030 auf ungefähr das 17-Fache steigen. Um diesem Ziel näherzukommen und mehr Menschen für eine dezentrale Energieversorgung zu begeistern, hat sich das Technikzentrum Minden-Lübbecke einer neuen Aufgabe verschrieben: der gemeinnützige Verein, der Jugendliche und Erwachsene bei der Berufswahl unterstützt, hat seine Räumlichkeit in der ostwestfälischen Gemeinde Hille zu einem „Energiedemonstrationshaus“ umgerüstet.

Klimaschutzziel:

  • Schrittweise Erweiterung des Energiedemonstrations-hauses

1 von 5

Foto: Technikzentrum Minden-Lübbecke e.V.

Als "Energiedemonstrationshaus" demonstriert das Technikzentrum Minden-Lübbecke u.a. verschiedene Formen der klimafreundlichen Energieerzeugung. Das Lehmhaus auf dem Gelände des TZ wird ausschließlich mit Energie aus Wind und Sonne versorgt.



Technikzentrum wird zum Energiedemonstrationshaus

Besucherinnen und Besucher jeden Alters sollen sich hier zukünftig über Erneuerbare Energien, effiziente Energieerzeugungsarten sowie die verschiedenen Systeme der Speicherung und der Energieabgabe (z.B. Temperierung anstelle von Heizkörpern) informieren können - und das im realen Betrieb. Hierfür wurde die ehemalige Zigarrenfabrik, die das Technikzentrum seit 2011 beheimatet, modernisiert und energetisch auf einen aktuellen Stand gebracht: neben der Umrüstung der Beleuchtung auf LED, erfolgt die Energieversorgung des 130 Jahre alten denkmalgeschützten Gebäudes nun teilweise über einen Holzvergaßerkessel. Darüber hinaus wurde das Gebäude mit einer Brennwertgastherme sowie unterschiedlichen Speichern und Heizsystemen ausgestattet. Weitere Erzeugungs- und Speichersysteme werden darüber hinaus anhand von Modellen präsentiert.

Auch die Energieerzeugung aus Erneuerbaren Energie findet teilweise auf dem Gelände selbst statt: Neben einigen Kleinwindanlagen, die ein Strohballenlehmhaus versorgen, wird zudem Solarenergie erzeugt. Da PV-Module auf und an dem denkmalgeschützten Gebäude nicht gestattet sind, wurden sie auf freiem Gelände an der Südseite des Gebäudes aufgestellt. Dabei versucht das TZ über die künstlerische Gestaltung der Anlagen zu zeigen, dass sich die moderne Technik gut in das Gesamtbild eines Hauses einfügen kann. Die mit der erzeugten Energie gespeiste E-Bike-Ladestation ist unter anderem für Besucher des direkt hinter dem Technikzentrum verlaufenden und touristisch sehr beliebten Fahrradwegs entlang des Mittellandkanals zugänglich. Für die eigene Mobilität hat das TZ einen Elektroroller angeschafft.

Kontinuierliche Erweiterung

Mit der Präsentation der verschiedenen Energieerzeugungs- und verbrauchsanlagen will das TZ über alternative Energiequellen aufklären, ein Bewusstsein für den Wert von Energie schaffen sowie zur eigenen Energieerzeugung durch Erneuerbare Energien animieren. Die Besucherinnen und Besucher sollen die eingesetzten Anlagen vor Ort genau unter die Lupe nehmen und sich über die Details informieren können. Darüber hinaus werden sie in verschiedenen Veranstaltungen auf Energieeinsparungsmöglichkeiten sowie eine nachhaltige Energienutzung aufmerksam gemacht. Über die Zeit sollen die bereits bestehenden Demonstrationsobjekte durch die Installation weiterer Anlagen kontinuierlich erweitert werden. Unter anderem die Präsentation von PV-Dachpfannen ist bereits in Planung.

Berufsberatungen seit 1994

Seit 1994 unterstützt das Technikzentrum Minden-Lübbecke Jugendliche und Erwachsene bei der Berufswahl. Nach jüngsten Berechnungen des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) beenden 28 Prozent der Bachelorstudierenden ihr Studium ohne Abschluss und jeder vierte Lehrling bricht dem Berufsbildungsbericht 2018 zufolge seine Ausbildung vorzeitig ab. Etwa 30 Mitarbeiter, überwiegend Integrationsstellen und Honorarstellen, arbeiten im Technikzentrum daran, dieser hohen Quote im Kreis Minden-Lübbecke und darüber hinaus entgegenzuwirken. Das Zentrum kooperiert dabei mit Schulen, Lehrkräften, Unternehmen, Verbänden, Innungen, Industrie, Handel und Handwerk. Ein Kern der Aktivitäten bildet die MINT-Förderung. So bietet das Zentrum etwa mit dem „MINT- Mobil“ mobile Trainingsangebote an, bei denen Jugendliche typische Aufgaben aus der betrieblichen Praxis ausprobieren und so Begabungen entdeckt werden können. Ein weiteres Element bildet die Talentwerkstatt, bei der Schülerinnen und Schülern direkt in ihrer Schule verschiedene Berufsfelder kennenlernen und erproben können. Veranstaltungen und Weiterbildungsmöglichkeiten in den Räumlichkeiten des Technikzentrums runden das Programm ab.


Foto: Susanne Steuber

„Kreative Energiegewinnung und kreative Nutzung von Energie – dafür steht das Energiedemonstartionshaus. Nicht immer ist es die Solaranlage, die einen technischen Charme ausstrahlt, um das Herz von Nutzern und Nutzerinnen zu gewinnen. Vielleicht sollten Solaranlagen bunt und künstlerisch gestaltet sein, um Menschen davon zu überzeugen, sie im Garten aufzustellen oder an der Hauswand anzubringen.

Karin Ressel, Geschäftsführerin Technikzentrum Minden-Lübbecke e.V.