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Frischer Lack für den Klimaschutz

Für Lackierbetriebe spielt der Energieverbrauch eine überdurchschnittlich große Rolle – unter anderem aufgrund des hohen Wärmebedarfs im Lackierprozess und für die Trocknung. Mit vielen Maßnahmen zeigt die Firma Wendeling, ein Karosserie- und Lackierfachbetrieb in Krefeld, wie Klimaschutz in Form von Energieeffizienz auch wirtschaftlich sinnvoll ist.

Bei der Firma Wendeling wird Klimaschutz als große globale Aufgabe wahrgenommen, zu deren Lösung auch ein einzelner Handwerksbetrieb seinen Beitrag leisten kann. Das Unternehmen beobachtet kontinuierlich die Entwicklung der technischen Möglichkeiten. In Kooperation mit dem Berufskolleg Rheydt-Mülfort für Technik wurden von den Schülern verschiedene Varianten zur Steigerung der Energieeffizienz auf technische Machbarkeit unter Berücksichtigung des Kosten/Nutzen-Verhältnisses analysiert. Auf Basis dieser Ergebnisse reflektierte der Karosserie- und Lackierfachbetrieb die eigenen Planungen.

Klimaschutzziel:

  • Einbau eines Batteriespeichers
  • Überzeugung weiterer Unternehmen zum Nachmachen

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Foto: Wendeling GmbH & Co. KG

Bis auf die PV-Anlage auf dem Dach sieht der Betrieb aus wie tausende andere in Deutschland. Drinnen steckt aber Vorreiter-Technik.



Effizienz in der Energieerzeugung und im Verbrauch

Herzstück des Betriebes sind eine kombinierte Lackier- und Trocknungskabine und eine separate Trocknungskabine. Der Energieverbrauch ist dabei nicht gleichmäßig, sondern Energie wird in Spitzen abgerufen. Im Mittelpunkt der betrieblichen Energieversorgung steht inzwischen eine BHKW-Anlage mit 20 Kilowatt (kW) Stromleistung und 41 kW Wärmeleistung, die mit Flüssiggas betrieben wird. Die Kosten für diese Anlage amortisieren sich nach vier bis fünf Jahren. Aufgrund des stark schwankenden Energieverbrauchs wird das BHKW von zwei Wasser-Wärmepufferspeichern unterstützt. Zudem wurden Wärmeregister zum Erwärmen der Prozessluft für die Lackier- und Trocknungskabinen installiert, die vom BHKW gespeist werden.

Über 60 Prozent des gesamten Strom- und Wärmebedarfs werden so selbst erzeugt und verbraucht. Der Rest wird zu einem großen Teil mit Hilfe von PV-Modulen auf dem Dach der eigenen Lackiererei erzeugt. Auch die Beleuchtung wurde auf LED umgerüstet. Die jährliche Energieeinsparung durch diese Sofortmaßnahme beträgt insgesamt rund 15.000 Kilowattstunden (kWh), das entspricht dem Bedarf von fünf deutschen Durchschnittshaushalten.

Vom Privathaushalt ins Unternehmen

Immer auf der Suche nach weiteren Handlungsmöglichkeiten probiert Inhaber Joachim Matyssek zuhause aus, was auch für die Firma sinnvoll sein konnte. Inzwischen ist er mit einem Plugin-Hybrid-Auto unterwegs, das über bidirektionale Anbindung auch als Stromspeicher fungieren kann. Ebenfalls im privaten Einsatz ist eine Speicherbatterie. Über einen Stromspeicher lassen sich Lastspitzen ausgleichen und der ohnehin schon hohe Eigennutzungsgrad so noch weiter in Richtung 100 Prozent steigern. Letzteres wird für 2016 auch zum Ziel für das Unternehmen.

Überzeugungsarbeit in der gesamten Branche

Die Bereitschaft, neue Technik auszuprobieren geht einher mit intensiver Kommunikation. Über Zeitschriftenbeiträge, Vorträge und die Dokumentation auf der eigenen Homepage sollen andere Firmen zum Nachmachen bewegt werden. Auch als Vorstandsmitglied der Lackiererinnung Essen leistet Joachim Matyssek Überzeugungsarbeit. Energieeffizienz soll kein alleiniger Wettbewerbsvorteil sein, sondern die gesamte Branche soll profitieren – auch zum Wohl des Klimas.


Foto: Privat

„Mit betrieblichen Energiespar- maßnahmen fördern wir sowohl den Klimaschutz als auch die Wettbewerbs- fähigkeit unseres Unternehmens nachhaltig. Wir sind damit gerne gutes Beispiel für andere und versuchen zum Nachmachen zu animieren!“

Joachim Matyssek, Inhaber Wendeling GmbH & Co. KG




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