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Sandy: Gebäudesanierungen stärken, Energieverbrauch senken

Rund ein Viertel der Treibhausgasemissionen in Deutschland gehen auf Wohngebäude zurück. Im Gebäudebestand liegt damit ein besonders hohes Klimaschutzpotenzial. Um das zu heben nehmen Kommunen eine besondere Rolle ein: Sie kennen Gebäudestruktur, kulturelle Gegebenheiten und finanzielle Möglichkeiten – und haben zudem einen guten kommunikativen Zugang zu ihren Bürgern. Um die Klimaschutzbemühungen der Kommunen zu unterstützen, untersucht das Projekt „Sandy“ (Sanierung dynamisch), wie die Sanierung von privaten Wohngebäuden gefördert werden kann und entwickelt auf Grundlage der Ergebnisse entsprechende Maßnahmen.

In dem vom Bundesforschungsministerium geförderten Projekt „Sandy“ forscht die Hochschule für Gesundheit in Bochum unter dem Titel „Vom Klimaschutzkonzept zur zielgruppenorientierten Sanierungsoffensive: Strategien, Lösungsansätze und Modellbeispiele für dynamische Kommunen“: In Dortmund, Hamm und vier weiteren Partnerkommunen wurden anhand von Analysen Konzepte entwickelt, die dabei helfen die Sanierungsquote von Bestandsgebäuden zu steigern und damit den Energieverbrauch in den Kommunen zu reduzieren. Das Öko-Zentrum NRW ist bundesweit eine der ersten Adressen für nachhaltiges Bauen und lieferte die praktische Expertise für das Forschungsprojekt. Im Forschungsverbund, der von der Universität Ulm koordiniert wird, sind zudem Green City Energy aus München ein weiterer Praxispartner und das Karlsruher Institut für Technik sowie die Universität Kassel beteiligt.

Fortschrittsmotor Klimaschutz:

  • Verbessertes Wissen zu Problemen und Handlungsmöglichkeiten
  • Handlungsfeld mit hohem Klimaschutzpotenzial
  • Instrumente für unterschiedliche lokale Situationen
  • Förderung kommunaler Entwicklung

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Foto: Heike Köckler

Die Möglichkeiten der energetischen Sanierung von privaten Wohngebäuden reichen von Teilsanierungen bis hin zu einer Komplettsanierung. Sie lassen sich, wie in diesem Objekt, auch mit städtebaulichen Vorgaben eines Ensembleschutzes verbinden.



Umsetzungshürden kennen

Wer sein Haus energetisch saniert, spart Energie, macht sich unabhängiger von steigenden Heizkosten und erhöht dabei auch den Wohnkomfort und den Immobilienwert. Dennoch ist die Sanierungsquote seit Jahren gering. Was hindert die Hauseigentümer also an einer Sanierung?

Zum Teil sind die Hemmnisse bekannt: Ältere Menschen zum Beispiel hindert der Zeitraum, der für aufwändige Sanierungen in der Regel sehr lang ist, daran, ihr Gebäude Instandzusetzen. Ebenso hemmen hohe Mieten in besonders stark wachsenden sowie zu geringe Mieten in stark schrumpfenden Gegenden die Sanierungsbereitschaft. Es gibt jedoch weitere Dimensionen, die eine Entscheidung beeinflussen. Hierzu zählen die Lebenssituationen jedes Einzelnen, die finanzielle Absicherung, die persönliche Wohnperspektive, der Informationsstand sowie die zukünftige Perspektive der Immobilie. Diese Kriterien standen daher im Zentrum der Forschung. Ein besonderer Schwerpunkt wurde angesichts des demographischen Wandels auch auf Hauseigentümer mit Migrationshintergrund gelegt.

Ein Instrumentenkoffer für Kommunen

Gemeinsam mit den Kommunen wurden die Ergebnisse der Erhebungen unter Einbezug der gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen und des übergeordneten politischen Rahmens genauso wie der besonderen Bedingungen vor Ort intensiv diskutiert. Auf dieser Grundlage wurden Informations-, Motivations- und Fördermaßnahmen in einem Instrumentenkoffer zusammengestellt:  Von allgemeinen Empfehlungen zur Durchführung von Informationsveranstaltungen über den Einsatz von „Quartiersarchitekten“, die als Ansprechpartner vor Ort zur Seite stehen, bis hin zu konkreten, neueren und erfolgreich getesteten Ansätzen, wie „Sanierungspartys“, bei denen ein Gastgeber Interessierte zu einem Treffen mit einem Berater einlädt. Die Maßnahmen wurden dabei so konzipiert, dass sie bei unterschiedlichen kommunalen Bedingungen eingesetzt werden können oder sich diesen anpassen lassen. Ergänzt werden sie durch Informationen zu ordnungspolitischen Instrumenten, mit denen Kommunen regulatorisch auf die Entwicklung einwirken können. Dazu zählen unter anderem Auflagen wie zum Beispiel Modernisierungs- und Instandsetzungsgebote.  


Foto: hsg/Volker Wiciok

„Die energetische Sanierung privater Wohnimmobilien hängt von vielen Faktoren ab. Dies kann als zu komplexes, gar unlösbares, Problem verstanden werden. Diese Vielfalt und Komplexität als Ressource zu verstehen, ist der erste Schritt in eine klimaschützende Zukunft.“ 

Prof. Dr. Heike Köckler, Hochschule für Gesundheit



Partner und Förderer


Partner:
  • Hochschule für Gesundheit, Department of Community Health
  • Universität Ulm, Institut für theoretische Chemie, Wirtschaftschemie
  • Universität Kassel, Fachgebiet Ökonomie der Stadt- und Regionalentwicklung
  • Karlsruher Institut für Technologie, Fachgebiet Immobilienwirtschaft
  • Karlsruher Institut für Technologie, Deutsch-Französisches-Institut für Umweltforschung
  • Öko-Zentrum NRW GmbH
  • Green City Energy AG