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Die RecyclingBörse!: Ressourcenschonung durch Wiederverwendung

Jedes Jahr fallen allein in Deutschland 1,7 Millionen Tonnen Elektroschrott an – und auch 750.000 Tonnen Bekleidung landen jährlich im Müll. Auch wenn die Recyclingquoten hierzulande im weltweiten Vergleich recht hoch sind, ist es noch immer eine Herausforderung, die aussortierten Produkte erst einmal zu sammeln und in die Weiterverwendung zu geben. Zu diesem Zweck betreibt der 1984 von Langzeitarbeitslosen gegründete gemeinnützige Arbeitskreis Recycling e.V. (AKR) die RecyclingBörsen! Das Projekt schont nicht nur Ressourcen und trägt so zum Klimaschutz bei, sondern schafft gleichzeitig Arbeitsplätze und zusätzliche Qualifizierungsstellen.

Acht RecyclingBörsen gibt es inzwischen in OWL: im Kreis Herford, in Bielefeld und in Bad Salzuflen. Im Auftrag von oder in Kooperation mit den Kommunen sammeln sie gut erhaltene Sachen aus Haushalten, Institutionen und Betrieben: Vom Fahrrad über Elektrogeräte bis hin zu Kleidern, Büchern, Möbeln und sonstigem Hausrat.

Wiederverwendung geht vor

Insbesondere bei der Sammlung von Altelektrogeräten hat die Arbeit der RecyclingBörsen! Vorreitercharakter: Bereits Anfang der 1990er Jahre, 15 Jahre bevor das erste deutsche Elektro- und Elektronikgerätegesetz zur Sammlung und Verwertung von Elektroaltgeräten in Kraft trat, hat der AKR ein mobiles Sammelsystem aufgebaut. 1993 folgte ein eigener zertifizierter Fachbetrieb zum Elektroschrottrecycling. Die Wiederverwendung der Elektrogeräte hat seit jeher oberste Priorität. Alle optisch intakten Geräte werden auf Sicherheit und Funktion geprüft, bei Bedarf aufbereitet und anschließend in den eigenen Second-Hand-Kaufhäusern weiterverkauft. Auf diese Weise erreichen die RecyclingBörsen! eine Wiederverwendungsquote von fünf Prozent – je nach Datenquelle bis zu fünf Mal so viel wie im deutschlandweiten Durchschnitt.

Auch bei den anderen Warengruppen wird intensiv daran gearbeitet, möglichst viele Produkte in die Wieder- oder Weiterverwendung zu geben. Altkleider werden etwa auf Modenschauen präsentiert und Stoffreste zu Taschen vernäht. An mehreren Standorten wurden Fahrradwerkstätten eingerichtet. Auch innovative Formate, wie die Tauschaktion „2 Kilo Waren gegen 1 Kilo Kartoffeln“, sorgen immer wieder für Aufmerksamkeit.

Fortschrittsmotor Klimaschutz:

  • Ressourcenschonung durch Wiederverwendung
  • Steigerung der Recyclingquoten durch verbesserte Sammlung
  • Schaffung von Arbeitsplätzen und Qualifikationsstellen
  • (Bewusstseins-)Bildung zur Ressourcenschonung

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Foto: RecyclingBörse / Ralf Bittner

Wo „Elektroschott“ drauf steht, ist noch viel Brauchbares drin. Rund fünf Prozent der als E-Schrott aus Haushalten entsorgten Geräte sind noch brauchbar und können auf elektische Sicherheit und Funktion getestet sogar ohne Reparatur weiterverwendet werden.



Weit über OWL hinaus

Der AKR arbeitet im Rahmen diverser Projekte daran, das Thema Ressourcenverbrauch generell fester in der Gesellschaft zu verankern. In diesem Zusammenhang wurden Projekte wie RECOM (Gesellschaftliche Verantwortung in Unternehmen der Wiederverwendungs-, Recycling- und Entsorgungsbranche), WiRD (Aufbau eines Kooperations- und Qualitätsnetzwerks in der Wiederverwendung) oder LoNak (Lokale Nachhaltige Kreislaufwirtschaft) initiiert und immer wieder die Vernetzung der Sozial- und Weiterverwendungsbranche vorangetrieben.

Von Beginn an haben die Verantwortlichen darüber hinaus den Dialog mit der Kunst gesucht und selbst kulturelle Aktivitäten initiiert und durchgeführt. So entstand 2007 der Deutsche RecyclingDesignpreis (RDP), der bundesweit einzige Wettbewerb, der sich mit ressourcenschonendem Design auseinandersetzt. An dem zunächst bundesweit ausgerufenen Wettbewerb beteiligen sich inzwischen jährlich bis zu 500 Nachwuchs-Designerinnen und -Designer aus dem In- und Ausland, in einer Sonderkategorie werden Schülerinnen und Schüler und Werkstätten aus NRW prämiert. Die Exponate werden in einer Dauerausstellung gezeigt, in der außerdem für Schulklassen und Vereine didaktisch aufbereitete beispielhafte Nachhaltigkeitsprojekte zur Ressourcenschonung präsentiert werden.

Das wohl bekannteste aus der Kreativwerkstatt der Börsianer hervorgegangene Designstück ist das aus Altmöbeln und Restholz gebaute Regalsystem „FRANK“, das sich inzwischen den Ruf als eines der weltweit erfolgreichsten Upcycling-Möbelstücke erarbeitet hat und unter anderem in einem Kooperationsprojekt mit der Diakonischen Stiftung Wittekindshof, einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung, produziert wird.

RecyclingBörse! Jobmotor

Die Arbeit der RecyclingBörsen! trägt nicht nur zum Klimaschutz bei, sondern generiert auch Arbeitsplätze. Gut 50 reguläre Stellen wurden bisher geschaffen. Hinzu kommen zirka 80 Qualifizierungs- und Beschäftigungsmaßnahmen im Rahmen der Arbeitsmarktförderung zur (Re-) Integration oder Qualifizierung.


Foto: RecyclingBörse!

"Weiterverwendung, das Re-Use, ist durch die Verlängerung der Produktlebensdauer der beste und cleverste Beitrag zur Ressourcenschonung. Und schützt darüber hinaus das Klima, weil weniger Emissionen aus unnötiger Neuproduktion entstehen."

Joachim Strasas, Vorstand Arbeitskreis Recycling e.V.





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