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PV-Anlage als Deponieabdeckung: Solarenergie von der Mülldeponie

Das Nutzen brachliegender Braunkohletagebauflächen und ehemaliger Mülldeponien als Standorte für Anlagen Erneuerbarer Energien ist inzwischen eine beliebte Methode für die weitere Verwendung dieser Gelände. Die Verantwortlichen in Lippe gehen jedoch noch einen Schritt weiter und haben auf den stillgelegten Deponien Dörentrup und Hellsiek Photovoltaik-Anlagen installiert, die nicht nur klimafreundlichen Strom aus Sonnenlicht produzieren, sondern auch als Abdeckung für die Deponie fungieren. Die Anlage ist deutschlandweit die erste ihrer Art, die diese beiden Funktionen vereint.

Als Müllentsorgungsanlage dient die Deponie Dörentrup schon lange nicht mehr. Wie viele andere Anlagen in Deutschland wurde sie Ende der 1990er Jahre geschlossen, nachdem sich die Menge der abzulagernden Abfälle mit dem Inkrafttreten des Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetzes im Jahr 1996 drastisch reduziert hatte. Nach der Stilllegung entwickelten die Abfallbeseitigungs-GmbH Lippe als Deponiebetreiber sowie die Lippe Energie Verwaltungs-GmbH (bestehend aus den Stadtwerken Bad Salzuflen, Detmold und Lemgo sowie dem Kreis Lippe) gemeinsam die Idee, die brachliegende Deponiefläche zur Förderung Erneuerbarer Energien zu nutzen. Gleichzeitig wurde nach einer Lösung zur Reduzierung des anfallenden Sickerwassers auf der Deponie gesucht, das aufgrund der darin enthaltenen Schadstoffe aufwendig und kostenintensiv aufbereitet werden muss.

Fortschrittsmotor Klimaschutz:

  • Erstmalige Realisierung einer PV-Deponieabdeckung
  • Einsparung von 6.300 t CO2 pro Jahr
  • Reduzierung der Sickerwassermengen um 50 %
  • Keine Mehrbelastung durch Abfallgebühren infolge der geringeren Sickerwassermengen
  • Nicht-permanente Abdeckung ermöglicht Deponierückbau

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Foto: Wolfgang Wienkemeier

Die PV-Anlage auf der Deponie Dörentrup besitzt eine Fläche von 37.150 Quadratmetern. Sie produziert in einem Jahr durchschnittlich vier Millionen Kilowattstunden emissionsfreien Solarstrom.



Nutzung der vorhandenen Deponieflächen für PV-Anlagen

Die im Jahr 2011 auf der Deponie Dörentrup installierte Anlage vereint schließlich beide Anforderungen: eine Photovoltaikanlage, die deutschlandweit erstmalig auch als Deponieabdeckung dient. Auf diese Weise konnte nicht nur der Anteil der regenerativen Strombereitstellung in der Region erhöht, sondern gleichzeitig auch die Menge des anfallenden Sickerwassers deutlich reduziert werden. Darüber hinaus bleibt durch den Einsatz einer Abdeckung die Möglichkeit bestehen, die Deponie zurück bauen zu können, was bei einer permanenten Abdichtung nicht so einfach möglich wäre.

Nachdem die Doppelfunktion der Anlage erfolgreich getestet wurde, wurde das Konzept im Jahr 2016 auf die nahe gelegene Deponie Hellsiek übertragen. Zusammen erreichen beide Anlagen heute eine Leistung von knapp 15 Megawatt in der Spitze und stellen damit jährlich im Durchschnitt zwölf Millionen Kilowattstunden Solarstrom bereit. Diese Menge reicht aus, um zirka 3.400 Vierpersonen-Haushalte im Jahr mit Strom zu versorgen. So sparen beide Anlagen durch die Umwandlung des Sonnenlichts in Strom rund 6.300 Tonnen CO2 pro Jahr ein.

Weniger Sickerwasser durch geringeren Regenwassereintrag

Die PV-Anlagen haben eine wasserdichte Unterkonstruktion, die das anfallende Regenwasser auffängt und in entsprechende Vorrichtungen ableitet, sodass es nicht durch die Deponie sickert. So funktioniert die PV-Anlage auch als Deponieabdeckung. Auf diesem Weg reduzierte sich die Menge an schadstoffbelastetem Sickerwasser auf den Deponien nahezu um die Hälfte. Für die Bürger des Kreises Lippe bedeutet das wiederum eine geringere Belastung durch Abfallgebühren, da weniger Sickerwasser kostenintensiv aufbereitet werden muss.


Foto: Anne Lehmeier

„Photovoltaik als Deponieabdichtung ist Klimaschutz in mehrfacher Hinsicht: Erstens durch die Erzeugung von regenerativem Strom, zweitens durch die Energieeinsparung bei der Sickerwasseraufbereitung und drittens eröffnet sie die Möglichkeit eines zukünftigen Deponierückbaus.

Berthold Lockstedt, ABG Lippe - Geschäftsführer



Partner und Förderer


Partner:
  • Abfallbeseitigungs-GmbH Lippe
  • Lippe Energie Verwaltungs-GmbH