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P2H Lemgo: Deutschlands erste kommunale Power-To-Heat-Anlage

Die Stadtwerke Lemgo decken rund 50 Prozent des Wärmebedarfs der Stadt durch ein weit ausgebautes Fernwärmenetz mit Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen (KWK) und Groß-Wärmespeichern. 2012 wurde das System um die bundesweit erste Power-to-Heat-Anlage in der öffentlichen Wärmeversorgung erweitert, um überschüssigen Strom aus Erneuerbaren Energien in Form von Wärme zu speichern.

Die Stadtwerke Lemgo haben früh auf die sich ändernden Rahmenbedingungen des Strommarktes reagiert und bereits 2010 ein Konzept für eine Power-To-Heat (P2H) Anlage entwickelt, da die infrastrukturellen Gegebenheiten (große Wärmespeicher, Einsatz von KWK und vorhandenes Wärmenetz) für den Einsatz der P2H-Technologie ideale Voraussetzungen boten. Im November 2012 ging der Elektrokessel dann mit einer Leistung von fünf Megawatt als erste deutsche P2H-Anlage in der öffentlichen Wärmeversorgung in den Produktivbetrieb.

Fortschrittsmotor Klimaschutz:

  • Speichermöglichkeit für grünen Überschussstrom
  • Möglichkeit Netzengpässen entgegen zu wirken
  • Effiziente und kostengünstige Technologie
  • Einsparung fossiler Energieträger

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Foto: Stadtwerke Lemgo

Die 2012 in Betrieb genommene Power-to-Heat-Anlage hat eine Leistung von 5 Megawatt und ist in das weit ausgebaute Fernwärmenetz mit Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen (KWK) und Groß-Wärmespeichern eingebunden.



Grünen Überschussstrom in Wärme zwischenspeichern

Power-to-Heat stellt im Zusammenhang mit KWK-geführten Fernwärmesystemen eine hocheffiziente, marktreife, kostengünstige und unkomplizierte Technologie der Sektorenkopplung von Strom und Wärme dar. 2015 wurden bundesweit rund 5.000 Gigawattstunden Strom aus Erneuerbaren Energien abgeregelt, da es gerade an besonders windreichen Tagen aufgrund des stockenden Ausbaus der Stromnetze oftmals zu Netzengpässen kam. Da der Zubau von Wind- und PV-Anlagen weiter vorangetrieben wird, ist davon auszugehen, dass solche Netzengpässe aller Voraussicht nach vorerst weiter ansteigen werden. Hierbei können P2H-Anlagen die Stromnetze in Netzengpasssituationen entlasten, indem sie den überschüssigen Strom aus Erneuerbaren Quellen – der andernfalls abgeregelt werden müsste – aufnehmen und in Form von Wärme zwischenspeichern bzw. nutzbar machen.

Sektorenkopplung bietet viel Potenzial – noch gibt es Hemmnisse

Die P2H-Technologie bietet ein großes Potenzial, um Netzengpässen entgegen zu wirken und zeitgleich Erneuerbar produzierten Überschussstrom möglichst sinnvoll und effizient zu nutzen. Die Anlage in Lemgo trägt somit zum Erreichen der Energiewende bei und spart dabei fossile Primärenergie ein.

Aktuell hemmen jedoch laut der Projektverantwortlichen die regulatorischen Rahmenbedingungen des Strommarktes einen wirtschaftlichen Einsatz der Anlage, da Betreiber von P2H-Anlagen momentan selbst dann alle Umlagen des Strombezugs (wie Stromsteuern, Netzentgelte und EEG-Umlage) zahlen müssen, wenn die Anlagen netzdienliche Flexibilitätsfunktionen – also wichtige Serviceleistungen für die Stabilität der Stromnetze – bereitstellen. Dahingehend wurden Anfang 2017 entsprechende Anpassungen im Energiewirtschaftsgesetz niedergeschrieben und damit erste Schritte hin zur Sektorenkopplung von Strom und Wärme gegangen – allerdings beschränken sich die Ausnahmeregelungen bisher nur auf jene Gebiete, in denen das Stromnetz weiter ausgebaut wird, den sogenannten Netzengpassgebieten. Um wirtschaftliche tragfähige Anlagen betreiben zu können und den Ausbau der zukunftsweisenden Technologie voranzutreiben, ist daher ein Festschreiben von Regularien speziell zur Sektorenkopplung notwendig.


Foto: Stadtwerke Lemgo GmbH

“Wenn der Gesetzgeber neue regulatorische Rahmenbedingungen schafft, bietet die P2H-Technologie ein großes Potenzial, um Netzengpässen entgegen zu wirken und zeitgleich eEneuerbar produzierten Überschussstrom möglichst sinnvoll und effizient zu nutzen.“

Uwe Weber, Bereichsleiter Strom- und Wärmeerzeugung, Stadtwerke Lemgo GmbH



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  • Ing. Büro Rejek (Richter Nachf.)