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Die mobile Wärmebox

Bei vielen industriellen Prozessen entsteht Wärme quasi als Abfallprodukt. Doch anstatt diese einfach ungenutzt entweichen zu lassen, könnte man sie gut dort, wo sie benötigt wird, verwenden. Das Problem besteht häufig darin, dass die Wärmeabnehmer nicht dort sind, wo die Wärme entsteht. Die Abfallwirtschaftsgesellschaft Kreis Warendorf (AWG) und die Firma Hammelmann Service haben dazu einen mobilen Wärmespeicher entwickelt, der mittlerweile u. a. zur Beheizung eines Schwimmbades in Ennigerloh erfolgreich eingesetzt wird.

Verwendet wird die Abwärme, die bei der Verstromung von Deponie- und Biogas am Entsorgungszentrum in Ennigerloh als „Abfallprodukt“ entsteht. Das Projekt verwendet ganz simpel Wasser als Wärmeträger. Andere mobile Wärmespeicher verwenden andere Materialien, welche aber häufig aufwändig in der Handhabung und daher oft nicht wirtschaftlich sind. Durch die Verwendung von Wasser als Wärmespeicher schafft es das Konsortium, einen wirtschaftlichen Betrieb sicherzustellen.
 

Fortschrittsmotor Klimaschutz:

  • Einsparung von 340 kg CO2 mit jeder gelieferten Wärmebox
  • Verwendung von Wasser als Speichermedium
  • Anwendbar auf alle Warmwasseranwender (Bäder, Waschanlagen, Großküchen…)
  • Finanzieller Vorteil für den Wärmenutzer
  • Innovatives Geschäftsmodell

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Foto: aha

Transport eines Wärmecontainers



Simple Technik – große Wirkung

Die beiden Firmenpartner haben sich eher zufällig gefunden. Die Firma Hammelmann Service benötigt ständig Warmwasser zur Reinigung von Behälter, Tank- und Silofahrzeugen aus der Lebensmittelindustrie. Zunächst wurde ein Latentwärmetransportspeicher eingesetzt und aufbauend auf den Erfahrungen anschließend eine eigene Wärmebox entwickelt. Das Speichermedium Natriumacetat wurde gegen Wasser getauscht und die aufwändige Bauweise auf einen simplen Schichtenspeicher reduziert.

Olympiabad in Ennigerloh heizt mit mobiler Wärme

Seit dem Frühjahr 2016 wird das Olympiabad in Ennigerloh mit Wärme aus dem Entsorgungszentrum versorgt. Das bis zu 85 °C heiße Wasser wird per Spezialisolierbehälter transportiert und am Schwimmbad in einen 23 Kubikmeter großen Speicherbehälter abgegeben. Über Wärmetauscher wird das Duschwasser für die Badegäste auf bis zu 60 °C aufheizt, was gleichzeitig die Bildung von Legionellen verhindert. Je nach Bedarf werden zwei bis drei Container pro Woche benötigt. Ein Behälter transportiert zirka 1.700 Kilowattstunden Wärme. Bereits seit 2014 werden auch das Freibad in Ennigerloh und die Hallen eines Logistikunternehmens mit Wärme beliefert sowie ein Reinigungsunternehmen bei der Heißwasserbereitung unterstützt. Gegenüber der Verwendung von Gas können mit jeder Wärmebox rund 340 Kilogramm CO2 eingespart werden.Viele weitere Wärmeabnehmer sind denkbar, das Potenzial dieser Anwendung ist daher groß. Besonders interessant ist die Anwendung für Nutzer, die ganzjährig Warmwasser benötigen. Wirtschaftlich ist der Wärmetransport in einem Umkreis von zirka 20 Kilometern möglich, da die Fahrtkosten den größten Teil der Kosten ausmachen. AWG und Hammelmann gründeten das Unternehmen aha AWG und Hammelmann GbR für den Wärmetransport auf Rädern. Neben der Versorgung mit mobiler Wärme haben die beiden Firmen ebenfalls die Beratung und Verpachtung der Behälter im Geschäftsmodell. Die Firma Hammelmann Service GmbH & Co. KG, eigentlich ein Speditionsunternehmen, hat sich mit diesem Projekt ein neues Geschäftsmodell erschlossen und sichert die vorhandenen Arbeitsplätze. Die Wärmenutzer haben ebenfalls finanzielle Vorteile, indem die Gasbezüge sinken.


Foto: aha

„Für die beim Produktionsprozess im Entsorgungszentrum Ennigerloh anfallende Wärme entwickelte die AWG gemeinsam mit der Firma Hammelmann eine mobile Lösung, die es ermöglicht, Wärme fernab der Quelle an anderen Standorten auch ohne ein Rohrleitungssystem zu nutzen. Eine einfache, aber geniale Idee: Wärme, die sonst ungenutzt verpufft, zu speichern und flexibel dorthin zu liefern, wo sie benötigt wird. Unser erkennbarer Beitrag für den Ressourcen- und Klimaschutz, der sich ökonomisch und ökologisch rechnet.“

Thomas Grundmann, Geschäftsführer AWG



Partner und Förderer


Partner:
  • aha AWG & Hammelmann GbR
  • Abfallwirtschaftsgesellschaft des Kreises Warendorf mbH & Co. KG
  • Hammelmann Service GmbH & Co. KG

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