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Mieterstrom im Paul-Pfeiffer-Haus: Wenn die Kirche zum Energieversorger wird

In Erkelenz hat die evangelische Kirchengemeinde etwas Außergewöhnliches auf die Beine gestellt. Um ein defektes Blockheizkraftwerk (BHKW) zu reparieren und zukünftig ökonomisch tragfähig einzusetzen, initiierten ehrenamtliche Mitglieder der Kirchengemeinde ein Mieterstromprojekt. Damit wird die Kirche ganz nebenbei zum Energieversorger. 

Anfang der 1970er wurde das Paul-Pfeiffer-Haus in Erkelenz mit 13 Wohneinheiten erbaut. Unterhalten wird es durch die evangelische Kirchengemeinde Erkelenz und bietet sozial schwachen Mietern bezahlbaren Wohnraum. Bereits vor rund zehn Jahren wurde ein BHKW eingebaut, um das Haus möglichst effizient mit Wärme zu versorgen und dabei den erzeugten Strom ins öffentliche Netz einzuspeisen. Immer wieder zeigten sich während des Betriebs jedoch Unregelmäßigkeiten, die letztlich auch zur Funktionsunfähigkeit des BHKW führten. 

Fortschrittsmotor Klimaschutz:

  • Ehrenamtliches Engagement als Treiber für Klimaschutz
  • Finanzielle Entlastung der Mieter
  • Vorzeigebeispiel für ähnliche Organisationen

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Foto: Ulrich Leister

Jede teilnehmende Wohnung am Mieterstromprojekt wurde mit einem intelligenten Zähler ausgestattet. Die verwendeten Zähler erlauben eine detaillierte und wohnungsscharfe Visualisierung der Energieverbräuche in 2 Sekunden-Abschnitten.



Eine Kirchengemeinde geht neue Wege

Für die Kirchengemeinde stand nun die Frage im Raum, wie die Wärmeversorgung im Gebäude zukünftig klimafreundlich und zugleich wirtschaftlich sichergestellt werden kann. Das Leitungsorgan der Kirchengemeinde – Presbyterium – kam auf die Idee, zukünftig auch den im BHKW produzierten Strom direkt im Wohnhaus zu nutzen, also ein Mieterstrommodell zu etablieren – ein absolutes Novum für alle Beteiligten. Ziel dabei sollte es sein, die zu tätigenden Investitionskosten (für Instandsetzung des BHKW, notwendige Umbauten und die Installation von intelligenten Zählern) wie auch die laufenden Kosten über den Zeitraum von zehn Jahren durch den Verkauf des erzeugten Stroms ohne Gewinnabsicht wieder einzunehmen. Gleichzeitig sollte für die Mieter eine finanzielle Entlastung durch günstige Strom- und Wärmepreise ermöglicht werden.

Dies wird erreicht, wenn der Strom für 18 Cent/kWh an die Mieter verkauft wird – tragfähig für die Kirchengemeinde und eine echte Entlastung für die Mieter. Für den Strombedarf, der über die vom BHKW bereitgestellte Menge hinausgeht, wird dabei auf das öffentliche Stromnetz und den lokalen Energieversorger zurückgegriffen. Interessant ist dabei auch, dass ein zweistufiges Tarifmodell zum Tragen kommt – bestehend aus den 18 Cent/kWh für Strom aus dem BHKW und den Kosten für Strom vom örtlichen Energieversorger aus dem Netz. Bei der Stromrechnung wird der zu zahlende Betrag dann verbrauchsabhängig aus dem Arbeitspreis für Strom aus dem BHKW und Strom aus dem Netz exakt aufgeschlüsselt und berechnet. Durch die Weiterreichung des günstigeren BHKW-Tarifs wird ein Anreiz geschaffen, stromintensive Aktivitäten in die definierten Laufzeiten des BHKW zu legen. 

Erfolgreiches Modell für andere Organisationen

Möglich wird das unter anderem durch das Messkonzept des Aachener Anbieters von Smart Metering Lösungen Discovergy. Das Unternehmen verfügt über viel Erfahrung mit Mieterstromprojekten und konnte als neuer Messstellenbetreiber gewonnen werden. Davon profitiert nicht nur die Kirchengemeinde, sondern auch der lokale Energieversorger, für den das Thema Mieterstrom auch eine Neuheit darstellte. Getragen durch das Engagement und Durchhaltevermögen der ehrenamtlich tätigen Mitglieder der Kirchengemeinde wurden Partnerschaften und vielfältige Synergieeffekte geschaffen und das Mieterstromprojekt im Paul-Pfeiffer-Haus so zum Referenzbeispiel für andere Kirchengemeinden und Organisationen.


Foto: Ulrich Leister

„Die Evangelische Kirchengemeinde Erkelenz hat sich zum Ziel gesetzt, die Schöpfung zu bewahren. Einen großen Stellenwert nimmt dabei der Klimaschutz ein. Mit dem Mieterstromprojekt sparen wir ca. 19.000 kg CO2 pro Jahr ein. Auch mit unserer Photovoltaikanlage unterstützen wir den Klimaschutz durch CO2-Einsparung. Wir wollen aber unseren eigenen Beitrag auch durch weitere Maßnahmen stetig vergrößern.

Ulrich Leister, Baukirchmeister, Evangelische Kirchengemeinde Erkelenz



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  • Evangelische Kirchengemeinde Erkelenz

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