DE EN

Mentalitäten und Verhaltensmuster: Klimaschutzeinstellungen im Realitäts-Check

Was denken Menschen in NRW über die Energiewende und wie verhalten sie sich im Alltag? Im Forschungsprojekt „Mentalitäten und Verhaltensmuster“ des Virtuellen Instituts „Transformation Energiewende NRW“ wurden diese Fragen aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet. Es wurde ermittelt, wie Zukunftsvisionen für die Energiewende aussehen könnten und wie sich diese erreichen lassen.

Das Virtuelle Institut „Transformation Energiewende NRW“ ist ein Verbund von derzeit zehn wissenschaftlichen Einrichtungen, die inter- und transdisziplinär die Energiewende in Nordrhein-Westfalen erforschen. Die Koordination des Projekts „Mentalitäten und Verhaltensmuster“ lag beim Forschungszentrum Jülich. Das Projekt war an der Schnittstelle von Sozial-, Wirtschafts- und Kulturwissenschaften sowie Psychologie angesiedelt  und strebte eine systematische Erforschung des Nachhaltigkeitsbewusstseins in NRW an, welches auch das Handeln umfasst. Zum Teil arbeiteten die Forschenden dabei transformativ, um das Nachhaltigkeitsbewusstsein aktiv zu fördern.

Fortschrittsmotor Klimaschutz:

  • Verbesserte Wissensbasis über Klimaschutz für Politik und Bildung
  • Besseres interdisziplinäres Verständnis von Einstellungen und Verhaltensweisen
  • Übertragbares Wissen zur Kommunikation der Energiewende
  • Hohes Potenzial für gesellschaftlichen Wandel

1 von 2

Foto: Transformation - Energiewende NRW

Die Bürgerinnen und Bürger in Essen wünschen sich u.a. weniger Flugverkehr, die kostenfreie Nutzung des Nahverkehrs und weniger Flächenversiegelung. 



„Stellen Sie sich vor es ist das Jahr 2030“: Systemverständnis und Visionen zur Energiewende

Das Projekt umfasste drei Bausteine: Systemverständnis, Visionierung und Transformation. Der Baustein Systemverständnis identifizierte die energiebezogenen Mentalitäten und Verhaltensmuster und machte regionale und soziokulturelle Unterschiede deutlich. Unter anderem wurde festgestellt, dass fast alle Bürgerinnen und Bürger in NRW schon von der Energiewende gehört haben. Für die meisten bedeutet Energiewende Klimaschutz, Zunahme der Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien und Ausstieg aus der Kernenergie, aber auch ein Umdenken in der Gesellschaft und Verhaltensänderungen. Im Hinblick auf Verhaltensmuster zeigte sich beispielsweise, dass das Auto das in NRW meistgenutzte Verkehrsmittel ist, um zur Arbeitsstätte zu gelangen, Erledigungen durchzuführen und Freizeitaktivitäten nachzugehen.

Im Baustein Visionierung wurde erforscht, wie sich die Bevölkerung das zukünftige Energiesystem vorstellt, in welcher Rolle sie sich auf dem Weg dahin sieht und was sie sich von Stakeholdern (z. B. politischen oder wirtschaftlichen Akteuren) wünscht. In zwei Bürgerwerkstätten wurden Vorstellungen dazu erarbeitet. Der Ausbau Erneuerbarer Energien wird befürwortet und mit Chancen für Demokratisierung und Teilhabe sowie der wirtschaftlichen Stärkung der Region verbunden. Die Energiewende wird in einem umfassenderen Sinne gesehen und mit einer breiten Transformation von Systemen und sozialen Praktiken assoziiert. Beispielsweise werden eine Stärkung des Radverkehrs und des Ö(PN)V sowie grünere Städte und Landschaften gewünscht.

Transformation vom Ist- zum Soll-Zustand

Der Baustein Transformation setzte sich damit auseinander, wie die Ziele der Visionierung erreicht werden können, wie Menschen und Organisationen in NRW ein stärkeres Nachhaltigkeitsbewusstsein entwickeln können und was für die Verbreitung nachhaltiger Technologien und deren Akzeptanz nötig ist. Dabei zeigten die Ergebnisse, dass sich Bürgerinnen und Bürger, wenn es um die Gestaltung der Lebenswelt vor Ort geht, als „Experten des Alltags“ mit viel Kreativität engagieren. Einen Schlüssel für eine erfolgreiche Transformation stellt somit die Förderung und Vernetzung von zivilgesellschaftlichen Initiativen dar. Aber auch „klassische Ansätze“ wie die Stärkung der Infrastruktur für nachhaltige Mobilitätsformen (Fahrrad/Ö(PN)V) wurden durch die Projektergebnisse bekräftigt.

Neben der „reinen Forschung“ liefert das Projekt damit konkrete Hinweise für eine erfolgreiche Energiewende in NRW. Mit den Ergebnissen des Forschungsclusters wird die Wissensgrundlage für Politik -, Bildungs- und Informationseinrichtungen deutlich verbessert.


Foto: Dr. Steven Engler, Dr. Karin Schürmann

Es zeigt sich in der Wahrnehmung und dem Verhalten der Menschen in NRW, dass es nicht die „EINE“ Energiewende gibt, sondern viele verschiedene Ausprägungen des Wandels! Das Projekt verdeutlicht, dass die Komplexität der Energiewende inter- und transdisziplinärer Forschung bedarf. Nur durch das Zusammenspiel verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen und den Austausch mit Bürger*innen in NRW war es möglich, die Alltagsrelevanz der Energiewende zu ermitteln.

Dr. Steven Engler, Projektkoordinator und -leiter im Projekt des Virtuellen Instituts (VI) „Transformation – Energiewende NRW“  und Dr. Karin Schürmann, Koordinatorin des Projekts „Mentalitäten und Verhaltensmuster im Kontext der Energiewende in NRW“




Partner und Förderer


Partner:
  • Forschungszentrum Jülich, Institut für Energie- und Klimaforschung - Systemforschung und Technologische Entwicklung
  • Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie
  • Kulturwissenschaftliches Institut
  • E.ON Energy Research Center der RWTH Aachen
  • Integratives Institut Nachhaltige Entwicklung, Hochschule Bochum
Förderer:
  • Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung (MIWF)
  • Mercator Stiftung