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Energiekonzept im Kreishaus Borken: Die Abfalldeponie als Energielieferant

Seit 1984 wurde das Kreishaus Borken mit Kohle beheizt. Da die Kohleheizung nicht mehr dem neuesten Stand der Technik entsprach und aus umweltpolitischen Gründen nicht mehr zukunftsfähig war, suchten die Verantwortlichen nach einer Alternative. Gleichzeitig standen bei der Entsorgungsgesellschaft Westmünsterland (EGW) Reinvestitionen für eine veraltete Technik zur Deponiegasnutzung der ehemaligen Siedlungsabfalldeponie in Borken-Hoxfeld an. Die Lösung: eine sechs Kilometer lange Mikrogasleitung von Borken-Hoxfeld in das Kreishaus Borken.

2016 installierte der Kreis Borken im Kreishaus ein neues, modernes und energieeffizientes Blockheizkraftwerk (BHKW), das mit dem Deponiegas aus der Siedlungsabfalldeponie versorgt wird. Der Kreis Borken verwertet dadurch das Deponiegas, das beim Abbau organischer Stoffe auf Abfalldeponien entsteht, direkt an der Wärme- und Stromsenke des Kreishauses. Der Kreis Borken und die Entsorgungsgesellschaft Westmünsterland (EGW) haben so auch eine Nachfolgelösung für zwei dringend sanierungsbedürftige BHKW, die auf der ehemaligen Siedlungsabfalldeponie in Borken-Hoxfeld zur Verwertung des anfallenden Deponiegases eingesetzt wurden, gefunden. Das Deponiegas gelangt über eine rund sechs Kilometer lange Mikrogasleitung von der Abfalldeponie in das Kreishaus. So wird das Deponiegas innerhalb der Stadt genutzt, obwohl es siedlungsfern entsteht.

Fortschrittsmotor Klimaschutz:

Fortschrittsmotorkriterien:

  • Nutzung von Deponiegasen an der Strom- und Wärmesenke
  • Entwicklung einer langfristig wirtschaftlichen Gesamtlösung
  • Deponiegasnutzung trotz sinkender Mengen und Qualitäten

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Foto: Kreis Borken

Das neu installierte BHKW deckt rund 75 Prozent des Wärmebedarfs und 90 Prozent des Strombedarfs für das Kreishaus Borken und die angrenzende Polizeiverwaltung des Landes.



Das neue BHKW deckt rund 75 Prozent des Wärmebedarfs und 90 Prozent des Strombedarfs des Kreishauses und der angrenzenden Polizeiverwaltung des Landes ab. Für den Reststrombedarf nutzt das Kreishaus Ökostrom aus dem Netz. Zur Abdeckung der Wärmelastspitzen werden zwei neu installierte Erdgasbrennwertkessel zugeschaltet. Da das BHKW kontinuierlich läuft, überarbeiteten die Verantwortlichen auch das Heizkonzept des Kreishauses. Anders als früher regelt die Heizung die Temperatur in dem Gebäude nachts nicht mehr herunter, sondern nutzt das Objekt nun als Wärmespeicher. Da die Abwärme des BHKW im Grundlastbetrieb kontinuierlich anfällt, wird der geringe Wärmeeintrag nun genutzt, um ein übermäßiges Auskühlen der Gebäude zu vermeiden. Dadurch reduzieren sich die morgendlichen Wärmelastspitzen – die ehemals anfielen, um die Büros morgens auf Temperatur zu bringen – und somit auch die Einsatzzeiten der Erdgaskessel. Das Projekt ist ein Bestandteil der vom Kreis Borken verfolgten European Energy Award (EEA)-Strategie für mehr Klimaschutz im Westmünsterland.

Lösung für die Zukunft inklusive

Da die Deponiegasmengen und deren Energieinhalt mit der Zeit abnehmen, legte man schon beim Bau eine technische Lösung an, um dem Deponiegas bei Bedarf ein anderes brennbares Gas wie Bio-, Klär-oder Erdgas beizumischen. So wurden bereits mögliche Anschlusspunkte in der Nähe des kommunalen Klärwerks und eines angrenzenden Landwirtes in die Rohrleitung integriert. Durch die Integration der zusätzlichen brennbaren Gase kann die Anlage das Deponiegas auch noch dann zur energetischen Strom- und Wärmeproduktion nutzen, wenn eine alleinige Verwertung aufgrund der geringeren Deponiegasmenge und -qualität gar nicht mehr möglich wäre.


Foto: Kreis Borken

„Der Kreis Borken hat sich dem Klimaschutz auf vielfache Weise verschrieben – und setzt dabei im wahrsten Sinne des Wortes vor der eigenen Haustür an: Das Blockheizkraftwerk ist eine doppelt sinnvolle Investition: Zum einen zahlt sich die neue Heizungsanlage ökonomisch aus, zum anderen leisten wir so einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz.

Dr. Kai Zwicker, Landrat des Kreises Borken



Partner und Förderer


Partner:
  • Kreis Borken
  • Entsorgungsgesellschaft Westmünsterland mbH
  • Ingenieurbüro H. Berg & Partner GmbH
  • RTS Ingenieurbüro
Förderer:
  • Andere Förderung