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Ein grün-blauer Korridor für Klimaschutz und -anpassung

Natürliche Gewässerläufe können als kommunale Klimaanlagen wirken. Mit der ökologischen Umgestaltung des Heerener Mühlbachs in Kamen wurde ein solcher sogenannter „Grün-blauer Klimakorridor“ durch den Lippeverband hergestellt. Zahlreiche Maßnahmen sorgen für ein verbessertes natürliches Wassermanagement, Mikroklima, Biodiversität und eine erhöhte Lebensqualität im direkten Umfeld für die Anwohner.

Der Heerener Mühlbach galt nach der EU-Wasserrahmenrichtlinie noch bis vor Kurzem als erheblich verändertes Gewässer („heavily modified water body“) und befand sich demzufolge in einem qualitativ minderwertigen Zustand mit negativen ökologischen und sozialen Effekten. Das natürliche Gewässerökosystem existierte kaum noch. Bei extremer sommerlicher Hitze trocknete der Bach aus und besaß keinen Kühlungseffekt mehr, bei Starkregen war das Überflutungsrisiko deutlich erhöht. Von Bürgerinnen und Bürgern wurde der Bach weitgehend gemieden, der direkte Zugang war aus Sicherheitsgründen durch Zäune verwehrt.

Fortschrittsmotor Klimaschutz:

  • Pionierprojekt für klimafolgenangepasste Renaturierung
  • Reduzierte Gefahren durch Starkniederschläge
  • Verbessertes Mikroklima
  • Rückintegration des Gewässers in das Leben der Anwohner

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Lippeverband

Der Heerener Mühlbach vorher: hier war nicht viel von einem funktionierenden Ökosystem übrig...



Der neue grün-blaue Klimakorridor Kamen

Während der ökologischen Umgestaltung wurden bis 2013 auf mehr als zwei Kilometern entlang des Mühlbachs das Betonbett entfernt und naturnahe Ufer angelegt. Diese ökologischeUmgestaltung verlangsamt den Wasserabfluss, stärkt die dezentrale Retention von Niederschlag und erhöht die Versickerung. Gleichzeitig konnte bei etwa 80 privaten Anwesen auf insgesamt 11.000 Quadratmetern Dach- und gepflasterten Flächen das Regenwasser von der Kanalisation abgekoppelt werden. All das reduziert die Überschwemmungsgefahr durch Starkniederschläge. Das Ergebnis ist in Anlehnung an die nun entstandene Wasser- und Pflanzenkombination ein grün-blauer Korridor, der für alle Seiten ein Gewinn ist – das Klima, die Stadt und die Menschen.

Für optimierten Klima- und Hochwasserschutz

Die direkte Ableitung des Regenwassers von den Anwesen in den Bachlauf führt hier zu einer gleichmäßigeren Wasserführung. Auch die Rückstaugefahr aus dem Kanalnetz ist durch die verringerte Aufnahme von Regenwasser reduziert. Durch den Bewuchs speichert der neue Bachlauf außerdem CO2 und wirkt einer weiteren Erwärmung der Gewässer sowie einer Austrocknung und Entstehung von Hitzeinseln in der Stadt entgegen.

Für mehr Lebensqualität und weniger Kosten

Darüber hinaus verbessert das natürliche Gewässer – ergänzt um einen neuen Fuß- und Radweg - auch das Wohnumfeld und die Lebensqualität für die Anwohner, die intensiv in den Prozess der Umgestaltung mit eingebunden wurden. Zudem profitieren diese auch finanziell: zum einen durch die Vermeidung von Hochwasserschäden, zum anderen durch die geringeren Abwassergebühren. Alles zusammengenommen erhöht auch den Wert der anliegenden Grundstücke.

Wichtiges Musterbeispiel für Klimafolgenanpassung

Das Projekt „Grün-blauer Klimakorridor Kamen“ leistete darüber hinaus wichtige Pionierarbeit. Zum Projektstart war die inhaltliche Verknüpfung von Flussrenaturierung mit Fragen der Klimafolgenanpassung noch sehr neu, sodass mit dem Projekt gut übertragbare Ideen und praktische Erfahrungen gesammelt werden konnten.


Foto: Lippeverband

"Als 2007 die "Anpassung an die zu erwartenden Folgen des Klimawandels" erstmals diskutiert wurde, war nicht klar, was dies sein könnte. Größere Abwasserkanäle oder höhere Deiche konnten schon aus Klimaschutzgründen nicht die richtigen Lösungen sein. Die Entwicklung von "no-regret"-Maßnahmen war etwas völlig Neues: Maßnahmen, die ressourcenschonend und zu vertretbaren Kosten positive Auswirkungen auf unsere Stadtquartiere haben, unabhängig von der tatsächlichen Dimension der Klimawandelfolgen.

Die Umsetzung am Heerener Mühlbach in Kamen unter konkreter Beteiligung der Anwohner sensibilisierte die Bürger für die Auswirkungen des Klimawandels. Sie erfuhren, was sie selbst zur Anpassung an die zu erwartenden Klimawandelfolgen beitragen können. Die passive Erwartung eines „Rundumschutzes“ durch die öffentliche Hand wandelte sich in eine aktive Rolle, selbst etwas  beitragen zu können."

Dr. Uli Paetzel,  Vorstandsvorsitzender Emschergenossenschaft/ Lippeverband



Partner und Förderer


Partner:
  • Lippeverband
  • Stadt Kamen
Förderer:
  • EU-Förderung