DE EN

ILoNa: Logistik nachhaltiger gestalten

Die Logistik ist der drittgrößte Wirtschaftsbereich in Deutschland und für einen erheblichen Anteil an CO2-Emissionen und Ressourcenverbrauch verantwortlich. Die gesellschaftliche Entwicklung hin zu mehr Nachhaltigkeit und Digitalisierung sorgt für ein weiteres Wachstum der Branche und stellt die Unternehmen vor neue Herausforderungen. Prozesse und Angebote müssen auf den Prüfstand gestellt werden – auch um das vorhandene Klimaschutzpotenzial zu heben. Das Projekt ILoNa setzt hier an: Es beleuchtet die Branche umfangreich und zeigt auf, in welchen Bereichen der Schritt in eine klimafreundliche Zukunft gelingen kann.

Angebot und Nachfrage bestimmen den Markt und beeinflussen sich gegenseitig – so auch in der Logistikbranche. Hier sind es insbesondere die Lebensstile der Kunden, die große Auswirkungen auf die Logistikdienstleistungen haben. Dazu zählen vor allem die Entwicklung des Online-Shoppings, die Schnelllebigkeit von modischen und technischen Trends und die damit gestiegenen Anforderungen an Versand und Rücksendemöglichkeiten. Aber auch die Ausrichtung der Logistik – von der Beschaffung und Lagerung bis hin zu Transport und Marketing – kann wiederrum Einfluss auf das Kundenverhalten nehmen. Das interdisziplinäre Projekt „ILoNa - Innovative Logistik für Nachhaltige Lebensstile“ des Zentrums Logistik und Verkehr an der Universität Duisburg-Essen untersucht diese bislang wenig erforschten Wechselwirkungen. Damit verfolgen die Forscher das Ziel, die Nachhaltigkeit innerhalb der Branche zu steigern und sie damit klimafreundlicher zu gestalten.

Fortschrittsmotor Klimaschutz:

  • Umfassende Analyse der Schnittmenge von Logistik und Lebensstilen
  • Innovationsplattform schafft Dynamik
  • Feld mit hohem Klimaschutzpotenzial und Wachstum
  • Instrumentenkoffer für Logistikunternehmen

1 von 3

Grafik: Martina Rinkens

ILoNa beleuchtet die gesamte Schnittmenge von nachhaltigen Logistikangeboten und nachhaltigen Lebenstilen, die sich in Anforderungen für die Logistik-Branche äußern. Die zentrale Frage: Wie können Unternehmen das große Klimaschutzpotenzial heben?



Potenzial für mehr Nachhaltigkeit

Um die Potenziale in der Logistik umfassend aufzudecken werden soziale Aspekte gleichwertig zu den sonst in der Branche dominierenden ökonomischen und ökologischen betrachtet. Der stationäre Handel, der Internethandel, aber ebenso auch neue Formen der Sharing Economy und das breite Feld der Wertschöpfungsketten werden vom Beginn eines Produktionsprozesses bis zur Übergabe des Produktes an den Konsumenten analysiert. Die großen demographischen und räumlichen Trends sowie Einflüsse der Digitalisierung bilden dabei den Rahmen der Forschung.

In mehreren Konsumenten- und Unternehmensbefragungen hat das Projektteam nicht nur den Status-Quo untersucht, sondern auch die zukünftigen Herausforderungen der Branche herausgearbeitet. Ein Ergebnis: Kunden achten beispielsweise dort stark auf Nachhaltigkeit, wo das Thema auf den ersten Blick sichtbar wird: bei der Verpackung. Gleichzeitig stellen jedoch hohe Retourenzahlen und die Möglichkeit des Versandes einer Bestellung in mehreren Teillieferungen ein besonderes Nachhaltigkeitsproblem dar. Hier gilt es passende Antworten zu finden, um den Anforderungen der Kunden und des Klimaschutzes gerecht zu werden. Viel Potenzial liegt darüber hinaus in der Optimierung der Transportwege. Zahlreiche Unternehmen arbeiten hier bereits daran, Lösungen zu generieren, die auf dem Einsatz neuer Technologien beruhen und teilweise neue Geschäftsmodelle ermöglichen.

Eine Innovationsplattform für die Logistik

Mit der Durchführung regelmäßiger Workshops als Raum für gegenseitigen Austausch und als „Innovationsplattform“ zur Ideen- und Lösungsfindung wurde die Logistikwirtschaft in das Projekt mit eingebunden. Neben der Darstellung von unternehmensspezifischen Herausforderungen galt es hier die Ergebnisse der Befragungen mit Bezug auf die Praxis zu diskutieren und gemeinsam Handlungsmöglichkeiten zu erarbeiten. Für die rund 60 teilnehmenden Unternehmen ergaben sich so direkte Hilfestellungen und Ideen.

Umfassender Ansatz, flexible Instrumente

Als Ergebnis des Forschungsprojektes steht den Logistikunternehmen im Nachhinein sowohl digital als auch in Buchform eine Sammlung an Instrumenten zur Verfügung, die eine nachhaltigere Ausrichtung des eigenen Unternehmens ermöglicht. Die Zusammenstellung besteht dabei weniger aus konkreten Handlungsvorschlägen als aus Instrumenten zur Selbstanalyse, Wirkungsmessung, individuellen Analyse der relevanten Systemzusammenhänge oder zur Szenarienanalyse. Auch Best-practice-Beispiele werden in der Publikation präsentiert.ILoNa“ will echte systemische Wirkungen aufdecken und ein besseres generelles Bewusstsein für die Schnittmenge der Themenbereiche Nachhaltige Logistik, Produktion und Konsum schaffen. Die Identifikation von Kriterien und ihren Zusammenhängen in der Analyse zeigt auch die möglichen Ansatzpunkte für politische Interventionen auf, die in einem Weißbuch formuliert und der Politik vorgelegt werden.


Foto: Albert Hölzle

„Es bestehen deutliche Interdependenzen zwischen individuellen Lebensstilen und moderner Logistikdienstleistungen, wenn die Nachhaltigkeitsaspekte betrachtet werden, denn auch der Verbraucher trägt Verantwortung für das Ökosystem. Seine Kaufentscheidungen, nachhaltigeren Produkten den Vorrang geben, und gezielt nachhaltige Logistikdienstleistungen zu nutzen, fordert die Entwicklung nachhaltiger und innovativer Logistikkonzepte. Unser Ziel ist es für Kunden und Unternehmen gleichermaßen Potenziale für logistische Nachhaltigkeitskonzepte aufzeigen und somit den Weg für eine ökologische Neuausrichtung der Wirtschaft und Gesellschaft ebnen.“

Dr. Ani Melkonyan, Projektkoordinatorin von ILoNa, Vorstandsmitglied des Zentrums für Logistik und Verkehr, Universität Duisburg-Essen




Partner und Förderer


Partner:
  • Collaborating Centre on Sustainable Consumption and Production
  • Universität Witten/Herdecke, Zentrum für Nachhaltige Unternehmensführung
  • Universität Duisburg-Essen, Transportsysteme und Logistik
  • Universität Duisburg-Essen, Allgemeine Psychologie: Kognition
  • Effizienzcluster Logistik Ruhr
  • Center for Media & Health
  • Schachinger Logistik
  • Fiege Logistik
  • Universität Duisburg-Essen, Zentrum für Logistik und Verkehr
Förderer:
  • Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)

Weiterführende Links & Downloads