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Happy Power Hour II: Produzieren, wenn die Sonne scheint

Im Forschungsprojekt „Happy Power Hour II“ wird ein Stromtarif für Industriebetriebe entwickelt und umgesetzt, welcher es ermöglicht, Produktionsabläufe flexibel an Preisschwankungen der Strombörse anzupassen. Mit der Umstrukturierung ihrer Prozessabläufe sparen die Unternehmen Kosten ein und leisten zugleich einen Beitrag zum Gelingen der Energiewende.

Das Forschungsprojekt verfolgt das Ziel, mittelständische Industrieunternehmen durch finanzielle Anreize dazu zu motivieren, ihre Produktionsabläufe zeitlich an die schwankenden Preise der Strombörse anzupassen. Damit die Betriebe die Prozesse, bei welchen die Möglichkeit einer zeitlichen Verschiebung bzw. Flexibilisierung besteht, entsprechend durchführen lassen und somit das vorhandene Potenzial unkompliziert nutzen können, wurde durch den örtlichen Energieversorger ein dynamischer Stromtarif geschaffen. Da mit dem Verfahren das Einsparen von Stromkosten verbunden ist, stellt es eine finanziell attraktive Alternative zur herkömmlichen Strombeschaffung dar. Um überhaupt in der Lage zu sein, mit dem Ablauf der Produktionsprozesse auf kurzfristige Strompreisentwicklungen reagieren zu können, wurde im Rahmen des Projektes auch die dafür notwendige Kommunikations-, Steuerungs- und Regelungstechnik sowie geeignete Software entwickelt.

Fortschrittsmotor Klimaschutz:

  • Finanzielle Einsparmöglichkeiten für Industriebetriebe
  • Beitrag zur künftigen Systemstabilität der Stromnetze
  • Erschließung bisher ungenutzter Potenziale
  • Interdisziplinäres Forschungs- und Entwicklungsprojekt

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Foto: Stefan Tesche-Hasenbach (WSW)

Das Wuppertaler Unternehmen Stahlwille Eduard Wille Gmbh & Co. KG ist seit Mitte 2016 als Industriepartner am Forschungsprojekt beteiligt. Mit „Happy Power Hour II“ sollen die Stromkosten durch die Nutzung Erneuerbarer Energien zu günstigen Zeiten nachhaltig optimiert werden.



Produktionsprozesse an die Grünstromerzeugung anpassen

Aufgrund des erfolgreichen Voranschreitens der Energiewende und des damit zusammenhängenden Ausbaus Erneuerbarer Energien, wächst die Notwendigkeit, die Verbrauchsseite verstärkt an das Einspeiseverhalten des Ökostroms anzupassen. Viele Industrieprozesse bieten hinsichtlich des geplanten Ablaufs ein Flexibilitäts- bzw. Lastverschiebungspotenzial. Zurzeit bleibt dieses allerdings ungenutzt, weil die Kosten der elektrischen Energie für die Unternehmen zu jedem Zeitpunkt gleich sind. Zurückzuführen ist dies auf die meist üblichen langfristigen Energieversorgungsverträge, die auf statischen Strompreisen beruhen. Strom ist aber nicht zu jedem Zeitpunkt gleich viel wert. Da sich der Preis aus Angebot und Nachfrage ergibt, ist er zu Zeiten hoher Einspeisung durch Erneuerbare Energien in der Regel relativ günstig und kann sogar ins Negative rutschen – was in diesem Fall bedeutet, dass der Energieerzeuger in diesen Zeiten dem Verbraucher zahlen muss. Zu Zeiten niedriger Einspeisung oder steigender Nachfrage hingegen steigt der Strompreis. Als Beispiel für Industrieprozesse, welche für einen dynamischen Stromtarif geeignet sind, können Härte- bzw. Anlassöfen, Kühlhäuser oder auch das Lademanagement von Flurförderzeuge genannt werden.

Finanzielle Anreize durch dynamischen Stromtarif

Der im Projekt entwickelte Stromtarif gibt kurzfristige Preisschwankungen der Strombörse direkt an den Industriekunden weiter. Dadurch erhält der Kunde einen finanziellen Anreiz, Arbeitsschritte im Produktionsprozess, die zeitlich flexibel sind, auch kurzfristig entsprechend der spontanen Entwicklungen der Strompreise nach vorne oder hinten zu verlagern. So reduziert der Kunde nicht nur seine Stromrechnung, sondern unterstützt zudem die Stabilisierung des Stromnetzes: Läuft die Stromproduktion der Erneuerbaren Energien auf Hochtouren, sollte die Leistungsaufnahme, wenn möglich, erhöht werden. Ist sie eher gering, sollte der Strombezug reduziert werden. Damit sich Stromverbrauch und -produktion die Waage halten, ist das Anpassen des Strombezugs gerade in einem von Erneuerbaren Energien geprägten Energiesystem von hoher Wichtigkeit, da die Stromproduktion zum Teil massiv schwanken kann. Durch ihr Verhalten können die Industriebetriebe also nicht nur Geld sparen, sondern auch einen wichtigen Beitrag zur Integration Erneuerbarer Energien leisten. Ziel ist es, den organisatorischen Aufwand innerhalb der Unternehmen zu minimieren und das Erstellen sowie Umsetzen der strompreisoptimierten Prozessfahrpläne zu automatisieren.

Dieses Vorhaben wird aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) gefördert.


Foto: E/D/E

„Die Themen Verantwortung und Nachhaltigkeit haben schon seit jeher einen hohen Stellenwert für unser Unternehmen. Mit der Teilnahme am Forschungsprojekt „Happy Power Hour II“ möchten wir nun unseren Beitrag zum Gelingen der Energiewende leisten und zukünftig unsere flexiblen Stromverbraucher marktdienlich einsetzen.“

Jennifer Probst, Bereich Nachhaltigkeit, Einkaufsbüro Deutscher Eisenhändler GmbH




Partner und Förderer


Partner:
  • Bergische Universität Wuppertal
  • WSW Energie & Wasser AG
  • NetSystem GmbH
  • Neue Effizienz - Bergische Gesellschaft für Ressourceneffizienz mbH
  • CSCP gGmbH
Förderer:
  • EU-Förderung

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