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Energielabor Ruhr: Musterbeispiel für energetischen Strukturwandel

Die ressourcen- und energieeffiziente Umgestaltung von Siedlungsräumen birgt zahlreiche Herausforderungen. Gerade in Ballungsräumen, wie dem Ruhrgebiet, stellt eine davon die städteübergreifende Zusammenarbeit dar. Mit dem Projekt „Energielabor Ruhr“ zeigen die Städte Gelsenkirchen und Herten beispielhaft, wie eine klimagerechte Entwicklung eines Quartiers gemeinschaftlich umgesetzt und der Wandel alter Energieerzeugung zu neuen Energien und die Gebäudesanierung als Motor der Stadtentwicklung genutzt werden können.

Das Quartier rund um das ehemalige Bergwerk Westerholt umfasst eine rund 30 Hektar große Bergwerksfläche genau auf der Stadtgrenze Gelsenkirchen/Herten, eine ebenso große Kokereifläche in Gelsenkirchen-Hassel, eine brachliegende Zechenbahnstrecke und die anliegende Gartenstadt mit ihren Zechenhaussiedlungen. Projektziel ist es, ein städtebaulich, industriegeschichtlich und baukulturell bedeutendes Gebiet trotz geringer Kaufkraft zu sanieren und klimafreundlich mit Energie zu versorgen. „Diese integrierte Stadtentwicklung ist ein innovatives Gemeinschaftsprojekt und schafft Lebensqualität über Stadt- und Stadtteilgrenzen hinaus; möglich geworden ist dies durch die Förderung von Land, Bund und EU“, sagt Frau Dr. Nieder, Vorsitzende des Klimabündnis Gelsenkirchen-Herten e. V.   

Fortschrittsmotor Klimaschutz:

  • Innovative Nahwärme statt Kohleöfen
  • Energetische Sanierung historischer Gebäudestrukturen
  • Klimaschutzorientiertes Förderprogramm für Privathaushalte
  • Schon 1.300 Tonnen CO2-Einsparung und eine Sanierungsquote von 5 % pro Jahr erreicht

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Foto: Klimabündnis Gelsenkirchen-Herten e.V.

Die historischen Torhäuser sind ein wichtiger Identifikationspunkt für das Quartier. An diesem zentralen Ort entsteht das „Infocenter Energielabor Ruhr“ als Impulsgeber in Energiefragen.



Eine eigene Förderrichtlinie nach dem Prinzip 50 € pro eingespartes Kilogramm CO2

Um private bauliche und energetische Sanierungen anzuregen, wurde durch die beiden Städte eine Förderrichtlinie mit attraktiven Fördersätzen aufgelegt, um der geringeren Kaufkraft im Quartier zu begegnen. Das Förderprogramm wird von einem umfassenden Beratungsangebot der Kommunen flankiert, ein sehr ansprechender Katalog der Möglichkeiten unterstützt künftig bei der Entscheidungsfindung. Mit Hilfe der Beratungen wurden bereits 130 Anträge bewilligt und die entsprechenden Maßnahmen durchgeführt – mit dem Ergebnis einer jährlichen CO2-Einsparung von 1300 Tonnen. Die Sanierungsmaßnahmen erfolgen dabei unter Beachtung der historischen Gestalt der Häuser und der gesamten Siedlung, so dass das baukulturelle Erbe bewahrt bleibt.

Ein Nahwärmekonzept passend zum Quartier

Ein Teil der Gartenstadt verfügte über keinerlei leitungsgebundene Energieversorgung und wird ausgehend vom Zechengelände an ein Nahwärmenetz angeschlossen, das zurzeit über Grubengas und perspektivisch auch mit Solarthermie versorgt wird. In 60 größeren Zechenhäusern haben die alten Kohleöfen ausgedient. Die Wärmeversorgung erfolgt nun über Niedrigtemperatur-Nahwärme (LowEx), die von einem Grubengas-Blockheizkraftwerk erzeugt wird. Über 500 Tonnen CO2 werden damit pro Jahr vermieden – und ganz nebenbei verbessert sich auch die Luftqualität.

Auch die neu entstehenden Wohn- und Gewerbegebiete auf der Neuen Zeche Westerholt werden eine ökonomisch und ökologisch sinnvolle Energieversorgung erhalten. Weitere technische Maßnahmen der Energieerzeugung und –speicherung, wie der Einbau eines Windstrom-Überschüsse nutzenden Heizstabs, einer großflächigen solarthermischen Anlage sowie eines Wärmespeichers, sind in der Planung und sollen noch umgesetzt werden.

Infocenter Energielabor Ruhr als Anlaufstelle

Mit eigenen Bauprojekten schafft das Projektteam darüber hinaus stark präsente Anschauungsobjekte. Die beiden historischen Torhäuser der Zeche werden aktuell saniert und zum Zentrum des gesamten Entwicklungsprojekts. Sie sind ein wichtiger Identifikations- und Orientierungspunkt im Quartier und Scharnier zwischen Gartenstadt und Entwicklung der „Neuen Zeche Westerholt“. Hier entsteht in naher Zukunft das „Infocenter Energielabor Ruhr“, eine Erfahrungs- und Vernetzungsstelle, von der aus wichtige Impulse in das Quartier gehen werden. Für die 34.000 Einwohner der umliegenden Stadtteile werden umfassende, praxisnahe Informationen sowie konkrete Hilfestellungen und Unterstützung zu den Themen „Energetische Stadt-/Gebäudesanierung“ und „Energetische Speichermöglichkeiten“ angeboten. Die ehemalige Zechenbahntrasse „Allee des Wandels“ ist Lernort für neue Energien von Kleinwindkraft über „Solarroad“ bis zur Kurzumtriebsplantage und verbindet das Quartier mit dem Radwegenetz des Ruhrgebiets und des Münsterlands.


Foto: Christian Kuck

„Diese integrierte Stadtentwicklung ist ein innovatives Gemeinschaftsprojekt und schafft Lebensqualität über Stadt- und Stadtteilgrenzen hinaus; möglich geworden ist dies durch die Förderung von Land, Bund und EU“.

Dr. Babette Nieder, Vorsitzende des Klimabündnis Gelsenkirchen-Herten e.V.   



Partner und Förderer


Partner:
  • Stadt Gelsenkirchen
  • Stadt Herten
Förderer:
  • Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BmUB)