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EE-Office

Ein Vogel hilft beim Energiesparen

Vögel helfen beim Energie sparen? Klar – und zwar beim Projekt EE-Office des Wuppertal Instituts und der EBZ Business School. In dem Projekt werden nutzerzentrierte Energielösungen entwickelt, die zur Energieeffizienz in Bürogebäuden beitragen. Hierfür wurde neben vielen anderen Maßnahmen ein von der Designerin Dr. Christina Zimmer entworfener „Vogel“ mit entsprechender Technik ausgestattet. Der am PC-Bildschirm zu befestigende Vogel dient als visueller Indikator und hilft den Nutzern und Nutzerinnen, im Büro richtig zu lüften. Das Projekt birgt großes Potenzial, denn in Deutschland gibt es über 300.000 Bürogebäude, die verantwortlich sind für ca. 10 Prozent der CO2-Emissionen des Gebäudebestands.

Umgesetzt wird das zweieinhalbjährige Projekt am Land- und Amtsgericht Bonn. Insgesamt nehmen 91 Mitarbeiter aus 67 Büros teil. Sie wurden von Anfang an eingebunden, um nutzerzentrierte Energielösungen an ihrem Arbeitsplatz zu testen und mögliche Hindernisse, Schwächen sowie Potenziale zu identifizieren. In zwei Messphasen, jeweils über einem Zeitraum von acht bis zwölf Wochen, wurden die Lufttemperatur, die Luftfeuchtigkeit sowie die CO2-Konzentration gemessen. Die Teilnehmenden erhalten damit ein Feedback zu ihrem Heiz- und Lüftungsverhalten. Dabei hilft dann auch der der Vogel Piaf: Weißes Licht signalisiert optimale Werte, bei Grün und Orange ist ein Durchlüften sinnvoll. Wechselt die Farbe jedoch zu Rot, sollte das Fenster in jedem Fall geöffnet werden. Leuchtet die Kehle des Vogels hingegen blau und er zwitschert, ist die CO2-Konzentration stark abgefallen, so dass das Fenster wieder geschlossen werden sollte.

Fortschrittsmotor Klimaschutz:

  • Ausschöpfen verhaltensbezogener Effizienzpotentiale
  • Umsetzbar in vielen Bürogebäude
  • Weiterentwicklung der LivingLab-Forschungsinfrastruktur

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Foto: Wuppertal Institut

Piaf leuchtet weiß: optimale Werte und keine Notwendigkeit zum Durchlüften.



Raumkonzept mit Piaf

Das Feedback und Assistenzsystem Piaf ist Teil eines Gesamtansatzes, der von den Projektpartnern entwickelt wird mit dem Titel „Nutzerzentrierte Betriebsführung“. Als Nutzer eines öffentlichen Gebäudes werden dabei Angestellte, Facility Management, Haustechnik gleichermaßen verstanden. Diese beeinflussen den Gebäudebetrieb maßgeblich. Die aktuellen Konzepte der Gebäudeautomation haben die Potenziale einer nutzerzentrierten Betriebsführung nicht oder nur unzureichend erkannt und umgesetzt. Ohne einen intensiven Dialog mit den Gebäudenutzern ist das Wechsel- und Zusammenspiel zwischen Anlagentechnik, Gebäudemanagement und Nutzerinnenverhalten nicht im Sinne einer hohen Energieeffizienz zu organisieren. Die Ergebnisse können sich sehen lassen – durch eine nutzerzentrierte Betriebsführung kann es zu Effizienzsteigerungen von 15-20 Prozent kommen. Das wären speziell für das Land- und Amtsgericht Bonn circa 150 Tonnen CO2 Äquivalent jährlich. Die Teilnehmenden können dabei auch ihre Daten einsehen und erhalten Tipps zu ihrem Verhalten. Mit dem nutzerzentrierten Ansatz wird auch die LivingLab-Forschungsinfrastruktur weiterentwickelt.

Energiesparendes Verhalten

Die Fensterlüftung stellt einen Schwachpunkt für Energieeffizienzbestrebungen dar. Wird eine Absenkung der Raumtemperatur erkannt, erhöhen die Systeme die Heizleistung, das geöffnete Fenster gerät in Vergessenheit, unnötig viel Wärme entschwindet zum Fenster hinaus. Zu wenig zu lüften ist insbesondere in Gebäuden ohne Lüftungsanlage auch keine Lösung, schlechte Luftqualität senkt das Wohlbefinden und die persönliche Leistungsfähigkeit.

Die Forscherinnen und Forscher untersuchen in ihrem Projekt auch, wie stark die Gebäudephysik – also Alt- und Neubauten – das Verhalten beeinflussen und welchen Einfluss das Gebäudemanagement auf den Energieverbrauch hat. Denn häufig ist auch der Übergang zwischen den Jahreszeiten schlecht gemanaged. Neben der Energieeffizienz führt das Projekt auch zu einer verbesserten Luftqualität – und damit zu positiven Auswirkungen auf die Gesundheit. Die Messungen führen parallel zur Energieeffizienz auch zu verbesserter Luftqualität im Büro mit positiven Wirkungen auf die Gesundheit und das Wohlbefinden. Und: Was im Büro gelernt wurde, wird auch privat angewendet. Eine Win-win-Situation also fürs Klima.


Foto: Wuppertal Institut

„Alltägliche Routinen und Verhaltensmuster der Nutzenden eines öffentlichen Gebäudes wie Angestellte, Facility Management und Haustechnik beeinflussen den Gebäudebetrieb maßgeblich. Das muss man vor dem Hintergrund der Energieeffizienz genauer betrachten. Da ist noch viel Luft nach oben – bis zu 15-20 Prozent Energieeinsparung ist möglich.“

Dr. Carolin Baedeker, stellvertretende Leitung der Abteilung Nachhaltiges Produzieren und Konsumieren am Wuppertal Institut




Partner und Förderer


Partner:
  • EBZ Business School GmbH
  • Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW
  • Bonn Municipal Court
Förderer:
  • Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung (MIWF)