DE EN

ECOTRM: Ökobeton für klimafreundliche Fassaden

Stahlbeton besteht aus einer Sand-Kies-Mischung, Zement und einer Verstärkung aus Stahl. Im Rahmen des Projekts ECOTRM forscht das Institut für Textiltechnik der RWTH Aachen (ITA) nun an einer Alternative zu Stahlbeton, einem Beton, der aus einem klimafreundlichen Bindemittel sowie Basaltfasern besteht. Ziel des Projektes ist es, einen Baustoff ohne Zement zu entwickeln, dessen Kosten und Materialeigenschaften mit Stahlbeton vergleichbar sind. Denn gerade die Herstellung von Zement verursacht weltweit mehr CO2-Emissionen als der gesamte Luftverkehr.

Der im Projekt ECOTRM (Eco Friendly Textile Reinforced Material and System for Building and Construction) entwickelte Ökobeton besteht aus einem klimafreundlichen, alkalisch aktivierten Bindemittel, aus Gips, Flugasche und Schlacke. Die beiden letzteren Bestandteile sind Abfallprodukte des bei der Stahlherstellung üblichen Hochofenprozesses. Anstelle von Stahl, setzen die Forscherinnen und Forscher als Verstärkung hier Basaltfaser ein. Basalt ist ein Vulkangestein und aufgrund der natürlichen Eruption ein quasi nachwachsender Rohstoff. Dabei übertrifft es  die Materialeigenschaften von Stahl in Bezug auf Festigkeit um ein Vielfaches, wiegt aber weniger als die Hälfte.

Fortschrittsmotor Klimaschutz:

  • Einsparung von 80% CO2 gegenüber Stahlbeton
  • verbesserte Ökobilanz wegen Verwendung von Abfallprodukten und nachwachsenden Rohstoffen
  • halb so teuer wie Glasfaserbeton
  • sehr gute chemische Beständigkeit

1 von 1

Foto: ITA

Der Demonstrator aus dem Vorgängerprojekt: Ein Dachelement aus Textilbeton mit nur 20 mm Wandstärke.



Der neu entwickelte Ökobeton zählt zum Verbundwerkstoff Textilbeton. Das sind Betonarten, die um bis zu 75 Prozent dünner sind als Stahlbeton, aber dennoch den gleichen oder höheren Belastungen ausgesetzt werden können. Mit Textilbeton lässt sich dünnwandiger, filigraner und ressourcenschonendender bauen als mit Stahlbeton. Üblicherweise besteht Textilbeton neben einem Zement, Kies und Sand-Gemisch aus teuren Glas- oder Carbonfasern. Die Forscherinnen und Forscher von ECOTRM setzen in ihrem Projekt stattdessen auf die günstige Basaltfaser. Das macht den Ökobeton nur halb so teuer wie Textilbeton mit Glasfasern. Die Qualität bleibt dabei gleich. Im Vergleich zum Stahlbeton spart der Ökobeton 80 Prozent CO2 ein.

Anwendung in Gebäudefassaden und Abwasserrohren

Der Ökobeton kann überall dort eingesetzt werden, wo geringe Bauteildicke von Vorteil ist, also zum Beispiel gut in Gebäudefassaden. Die Basaltfaser macht den Baustoff besonders säureresistent. So besteht eine mögliche Anwendung auch im Einsatz als Material für Abwasserrohre, da durch ständig sinkende Abwassermengen der pH-Wert der Abwässer immer weiter sinkt. Eine Anwendung als Asphaltbeton ist auch denkbar, insbesondere in Gegenden , in denen viel Streusalz eingesetzt wird.

Das ITA ist weltweit anerkannter Experte auf dem Gebiet des Textilbetons und forscht auch in weiteren Projekten an der Weiterentwicklung von klimafreundlichen Beton- und Zementsorten. Gemeinsam mit seinen Projektpartnern plant das ITA Lizenzen für den Ökobeton zu verkaufen und das Produkt zur Marktreife zu bringen.


Foto: Till Quadflieg

"Gebäude sind unser Wohn- und Lebensraum. Textilbewehrter Beton aus Basaltfasern erfüllt in Zukunft unser Bedürfnis nach Nachhaltigkeit, Dauerhaftigkeit und Ästhetik."

Dr.-Ing. Till Quadflieg, Leiter Bereich Faserverbundwerkstoffe



Partner und Förderer


Partner:
  • Institut für Textiltechnik (ITA) der RWTH Aachen
  • Korea Institute of Civil Engineering and Building Technology (KICT)
  • Albani Group GmbH and Co. KG
  • CareCon Co Ltd.
Förderer:
  • Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BmWi)