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C2C-Gebäude auf Zeche Zollverein

Bürobau nach Cradle-to-Cradle-Standards

Kreislaufführung ist für die Ressourcenschonung von großer Bedeutung. Mehr und mehr erreicht das Prinzip auch den Gebäudebereich. Für den Bau von Häusern und Hallen werden die Materialien bisher so verwendet, dass sie nach dem Abriss schwer voneinander zu trennen und dadurch nicht direkt wieder einsatzfähig sind. Die Cradle-to-Cradle (C2C)-Standards (dt. „Von der Wiege zur Wiege“) bieten einen klimafreundlichen Lösungsansatz, der nun bei der Errichtung eines Bürogebäudes angewandt wurde. Besondere Berücksichtigung fand dabei die Einbindung des innovativen Gebäudes in das denkmalgeschützte Gelände des UNESCO-Welterbes Zollverein in Essen. Im Kern des C2C-Prinzips steckt die Idee, von Anfang an in kompletten Produktkreisläufen zu denken und ressourcenschonend zu agieren. Mit ihrem neuen Unternehmenssitz schaffte die RAG-Stiftung auf Zollverein für sich und die RAG AG ein Leuchtturm-Projekt für den Klimaschutz.

1.700 Bürogebäude entstehen in Deutschland pro Jahr. Dabei werden zahlreiche wertvolle Ressourcen, wie Kupfer, Aluminium, Stahl und Kunststoffe verbaut, die nach dem Abriss nur schwer zu trennen und nicht wiederverwertbar sind. Es folgt eine energieintensive Entsorgung. Das C2C-Prinzip bietet hier einen umwelt- und klimafreundlichen Lösungsansatz, der die verbauten Stoffe sofort wieder nutzbar macht und zusätzlich den Einsatz von schadstofffreien Baumaterialien fördert. Dieser Ansatz ist nun für ein Bürogebäude in Essen zum Einsatz gekommen. Der RAG-Konzern ist unter anderem darauf bedacht, insbesondere ehemalige Areale des Steinkohlenbergbaus und industrielle Brachflächen zu erschließen und zu revitalisieren. Dabei nimmt das Unternehmen seine soziale, ökologische und wirtschaftliche Verantwortung ernst und verknüpft neue Projekte mit klimagerechten, nachhaltigen Konzepten. So verhält es sich auch mit dem C2C-Gebäude von RAG-Stiftung und RAG AG auf dem ehemaligen Kokereiareal der Zeche Zollverein, das gemeinsam mit weiteren Projektpartnern umgesetzt wurde. Dabei untermalt das zukunftsweisende Bauwerk nicht nur im Zusammenspiel mit dem historischen Standort die Energiewende. Die beiden Unternehmen bündeln von hier aus alle nachbergbaulichen Aktivitäten.

Fortschrittsmotor Klimaschutz:

  • Leuchtturm-Projekt für kreislaufgerechtes Bauen
  • Ressourcenschonung im Gebäudebau durch C2C-Ansatz
  • Einbindung von Erneuerbaren Energien für die Energieversorgung
  • Entwicklung eines innovativen Material Passports für Gebäude
  • Einsatz von schadstofffreien Baumaterialien

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Foto: Thomas Stachelhaus

Zollverein: An der Schnittstelle zwischen Industriekultur und Naturlandschaft befindet sich der Unternehmenssitz von RAG-Stiftung und RAG Aktiengesellschaft. Das Bürogebäude wurde auf einer Baugrundfläche von 9.200 Quadratmetern nach modernsten Nachhaltigkeitsstandards errichtet.



Ein Recycling-Kreislauf für den klimafreundlichen Gebäudebau

C2C folgt insbesondere drei Ansätzen: Zum einen wird Abfall generell als Rohstoff betrachtet, der als Ressource für neue Produkte bzw. Produktionen verwendet werden kann. Des Weiteren soll die benötigte Energie aus erneuerbaren Quellen gewonnen und zu guter Letzt die Diversität gefördert werden. Dabei ist sowohl die Biodiversität als auch die kulturelle, soziale und konzeptionelle Diversität gemeint. Um diesen Prinzipien gerecht zu werden, wurden für das Bürogebäude auf der Zeche Zollverein die verbauten Materialien entsprechend ausgewählt, die Energieversorgung zukunftsweisend gestaltet und Begrünungsmaßnahmen im Innenraum für ein verbessertes Raumklima ergriffen. Sortenrein rückbaubare Bodenplatten und ein zertifizierter Bodenbelag, eine ebenso zertifizierte Fassade mit einer recycelbaren Dämmung, halogenfreie Verkabelung und Rohre sowie recycelbare Glastüren machen das Gebäude zu einem innovativen Vorreiter. Der multifunktionale Dachgarten dient nicht nur als Aufenthaltsort: Mittels der Photovoltaikpergola werden hier jährlich rund 80.000 Kilowattstunden erneuerbare Energie aus Sonnenlicht gewonnen, das hier aufgefangene Regenwasser wird in einer Zisterne gespeichert und für die Bewässerung des Dachgartens und für die WC-Spülung im Haus verwendet. Bei der Auswahl der Pflanzen wurde ein besonderes Augenmerk auf die Biodiversität gelegt, damit viele Insekten angelockt werden. Zu guter Letzt bieten Fledermauskästen den nachtaktiven Bewohnern ein Quartier. Damit kompensiert die begehbare begrünte Dachlandschaft die durch die Baumaßnahme versiegelte Grundfläche. Mit dem Konzept leistet die RAG-Stiftung einen besonderen Beitrag zum Klimaschutz. Neben der Ressourcenschonung werden auch CO2-Einsparungen durch die Einbindung Erneuerbarer Energien und die hier entfallende energieintensive Entsorgung von Bauteilen erzielt.

Dokumentieren und inspirieren

Im Rahmen des EU-Forschungsprojektes „Buildings as Material Banks (BAMB)“ war das Gebäude ein Pilotprojekt und die verwendeten Materialien wurden in einem „Material Passport“ dokumentiert. Die hier festgehaltenen Informationen können für eine spätere Weiternutzung der Materialien herangezogen werden und dienen zur Inspiration für Bauherren und Produzenten alternativer Baumaterialien. Mit diesem Projekt verfolgten alle Beteiligten das Ziel, die Zukunft des klimagerechten Gebäudebaus zu unterstützen und einen systemischen Wandel zu einem kreislaufwirtschaftlichen Bausektor zu etablieren.


Foto: Dietmar Klingenburg



Partner und Förderer


Partner:
  • RAG Montan Immobilien GmbH
  • KÖLBL KRUSE GmbH
  • kadawittfeldarchitektur GmbH
  • DS-Plan GmbH
  • Zechbau GmbH