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Biolit Vertical Green: Die Wand als Lufterfrischer

Weltweit wachsen Städte: Die UNO geht davon aus, dass der Anteil der städtischen Bevölkerung bis 2030 auf über 60 Prozent steigt. Eine Entwicklung, die in Kombination mit dem Klimawandel zu Herausforderungen in den Ballungsgebieten führt. Um die Bildung von Hitzeinseln zu reduzieren und die Luftqualität in den Städten zu verbessern, erforscht und erprobt das Fraunhofer-Institut UMSICHT mit Partnern eine neuartige Lösung zur Begrünung von Wänden. Erstmals wurde hierfür ein neuer Ansatz gewählt und der kostengünstige, saugfähige und flüssigkeitsspeichernde Baustoff Kalksandstein eingesetzt.

Infolge des Klimawandels erwarten Forscher stärkere Hitzeperioden und mehr Starkregen. Ein Problem insbesondere im urbanen Bereich, denn hier kann aufgrund der dichten Bebauung kein Niederschlagswasser versickern. Anfallendes Regenwasser fließt nahezu ungehindert in die Kanalisation. Gerade bei Starkregenereignissen führt dies dazu, dass die Abwassersysteme an ihre Grenzen stoßen.

Fortschrittsmotor Klimaschutz:

  • Verbesserung des Mikroklimas
  • Verbesserung des Regenwasserrückhalts
  • Luftreinhaltung
  • Effektive Anpassungsmaßnahme für versiegelte Bereiche
  • Innovatives Bewässerungskonzept

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Foto: Fraunhofer UMSICHT

Kräuterwand auf der Landesgartenschau Würzburg



Weitere Probleme: Das Fehlen von Pflanzen reduziert die natürliche Verdunstungsleistung, Gebäude- und Straßenoberflächen speichern die Sonneneinstrahlung und die vielen Gebäude verhindern die natürliche Luftzufuhr von den Randbezirken in die Stadt. So bilden sich lokale Hitzeinseln aus, deren Temperatur häufig über der im Umland liegt.

Wandbegrünung als Ausweg

Einen Lösungsansatz erforscht und erprobt das Fraunhofer-Institut für Umwelt, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT zusammen mit Dipl.-Ing. Berthold Adler, der zur UNIKA-Gruppe gehörenden Ruhrbaustoffwerke GmbH & Co. KG. Das von Fraunhofer UMSICHT und Berthold Adler patentierte System beruht auf einem begrünbaren Bauelement, das sich modular zu großflächigen Wänden zusammenbauen lässt. Das Bauelement wurde bezüglich der Materialstruktur, auf Basis von Kalksandstein, speziell auf seine Wasserspeicher- und Wassertransporteigenschaften hin entwickelt. Vorteil des Systems: Da die etablierten Herstellungsverfahren für Kalksandstein genutzt werden können, kann Biolit Vertical Green einfach in Serie produziert werden. Auf mehreren Ebenen können die Wände dann nach Belieben bepflanzt werden. Der Kalksandstein nimmt Wasser besonders schnell auf und gibt es ebenso schnell auch wieder ab. So wird der saugfähige und flüssigkeitsspeichernde Baustoff direkt als Teil des Bewässerungssystems genutzt: Der Kalkstein wird durch ein integriertes System bewässert und gibt das Wasser an das Pflanzsubstrat ab. So kann die Pflanze optimal bewässert werden.

Kalksandstein und Moos sind ein gutes Team

Durch die Pflanzen in den Wänden wird CO2 gebunden und die Sauerstoffproduktion angekurbelt. Besonders gute Wachstumsbedingungen schafft der Kalksandstein auch für Moose: Sie können hier ideal wachsen und ihnen wird das Potenzial zugesprochen, Feinstaub aus der Luft zu filtern. Gerade in dicht bebauten Stadtteilen kann das System helfen, dem drohenden Hitzestress entgegenzuwirken, das Mikroklima und die Luftqualität zu verbessern sowie den Regenwasserrückhalt bei Starkregenereignissen zu stärken. Bepflanzte Flächen haben außerdem eine besonders gute Dämmwirkung und können so teils auch energetische Einsparpotenziale erschließen. Das Projekt entwickelt somit Lösungsansätze für gleich mehrere Aspekte rund um das Themenfeld Klimaschutz und Klimafolgenanpassung.

 

Fraunhofer UMSICHT



Foto: Fraunhofer UMSICHT

„Biolit Vertical Green® ist ein neues System für die vertikale Begrünung, erstmalig auf Basis von mineralischen Substraten. Der Einsatz erfolgt multifunktional – als Trennwand, als Wandverkleidung, als vertikaler Garten und zukünftig vielleicht als begrünte Lärmschutzwand an Straßen und Schienen.“

Dr. Holger Wack, stellv. Abteilungsleiter Materialsysteme und Hochdrucktechnik, Gruppenleiter Bau am Fraunhofer UMSICHT



Partner und Förderer


Partner:
  • Dipl.-Ing. Berthold Adler
  • UNIKA Ruhrbaustoffwerke GmbH & Co. KG
  • Weckelmann Bautenschutz
  • Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT