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Batterie-Oberleitungs-Bus Solingen: Das intelligente Oberleitungs-Bus-System

In Solingen wird Deutschlands größtes Oberleitungsbusnetz zum Testfeld: Um einen nachhaltigen und emissionsfreien öffentlichen Nahverkehr zu realisieren, werden zunächst vier Batterie-Oberleitungs-Busse (BOB) eingesetzt, die Streckenabschnitte auch ohne vorhandenen Fahrdraht elektrisch befahren können. Zudem soll das bestehende Oberleitungsnetz zum „Smart Trolleybus System“ weiterentwickelt werden, einer intelligenten Infrastruktur, die in das Stromverteilnetz integriert ist.

In Solingen verkehren bereits seit dem Jahr 1952 Oberleitungsbusse. Die Fahrzeuge werden von Elektromotoren angetrieben und beziehen ihren Strom aus einer Fahrleitung. Zusätzlich sind die Busse mit einem Dieselaggregat ausgestattet, welches einen Generator antreibt, um den Fahrstrom für kurze Strecken ohne Oberleitung zu generieren. Durch die zunehmende Feinstaubbelastung in den Städten werden elektrische Antriebskonzepte immer wichtiger.

Fortschrittsmotor Klimaschutz:

  • Ganzheitlicher Ansatz zur Verknüpfung von Verkehr und Energie
  • Realisierung eines emissionsfreien ÖPNV
  • Verbesserte Integration Erneuerbarer Energien
  • Übertragbarkeit auch auf andere Oberleitungsnetze

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Foto: Stadtwerke Solingen GmbH

So sieht der neue Batterie-Oberleitungs-Bus aus. Das neue Modell wird voraussichtlich Ende 2017 geliefert.



Mit integrierter Batterie zu mehr Flexibilität

In einem ersten Schritt wird die Umstellung einer Dieselbus-Linie erfolgen, wonach der Modellversuch mittelfristig auf 20 Batterie-Oberleitungs-Busse ausgeweitet werden soll, die in Solingen eingesetzt werden. Bei erfolgreicher Durchführung wird sukzessive die gesamte städtische Busflotte umgestellt. Die Besonderheit der elektrischen Fahrzeuge liegt darin, dass sie sowohl über eine Batterie als auch über moderne Steuerungstechnik verfügen. Dadurch können sie einerseits während des Fahrens am Draht geladen werden, andererseits aber auch Streckenabschnitte abdecken, die nicht mit einer Fahrleitung ausgestattet sind. Die Busse bieten noch weitere Vorteile: Die Batterien helfen dabei, Fluktuationen durch Strom aus Erneuerbaren Energiequellen auszubalancieren. Die gesamte Oberleitungsinfrastruktur soll in Zukunft eng mit dem städtischen Stromverteilnetz verknüpft werden.

Schrittweise zu einem nachhaltigen, städtischen Gesamtsystem

Bisher fließt Strom lediglich aus dem Stromverteilnetz in das Oberleitungsnetz. Zukünftig soll aber auch der Stromfluss vom Oberleitungsnetz ins das Stromverteilnetz möglich sein. Spannend wird dies deshalb, weil im Rahmen des Projektes Photovoltaikanlagen direkt an das Oberleitungsnetz angeschlossen werden. Da dieses mit Gleichstrom betrieben wird, werden Wandlungsverluste durch das direkte Einspeisen des Solarstroms vermieden. Perspektivisch wird dann nur noch lokal erzeugter Ökostrom im Solinger Nahverkehr verwendet. Das Projekt nutzt außerdem die alten Batterien der Busse, um stationäre Speicher im Netz aufzubauen und somit sowohl das Oberleitungs- als auch das vorgelagerte Stromverteilnetz zu stabilisieren. Durch ein intelligentes Lade- und Energiemanagement können Stromlast- oder Ökostromproduktionsspitzen in beiden Stromsystemen abgefangen und somit die Integration fluktuierender Erneuerbarer Energiequellen generell verbessert werden. Weiterhin planen die Verantwortlichen, Ladesäulen für Privathaushalte an das Oberleitungsnetz anzuschließen.

Das Projekt verfolgt einen ganzheitlichen Projektansatz und betrachtet Mobilitäts-, Energieversorgungs- und Stadtentwicklungsfragen als transdisziplinäres, städtisches Gesamtsystem. So sollen neue Geschäftsmodelle für Verkehrsbetriebe, Energieversorger sowie Netzbetreiber entwickelt werden. Es zeigt außerdem Chancen und Möglichkeiten auf, wie ein elektrifizierter Nahverkehr einen wichtigen Beitrag zur Lösung der großen Herausforderungen der Verkehrs- und Energiewende auf kommunaler Ebene leistet.


Foto: Stadtwerke Solingen GmbH

„Die Entscheidung in den 90er Jahren weiter auf den Oberleitungsbus zu setzen, ermöglicht uns in naher Zukunft eine weitere Elektrifizierung des Solinger ÖPNV zu realisieren. Dabei ist das Ziel, die Dieselbuslinien mit Oberleitungslinien zu verstricken sowie die Dieselbusse langfristig aus dem Verkehr zu ziehen und durch BOBs zu ersetzen. Darüber hinaus ist die Möglichkeit gegeben, die Verkehrsbetriebe Solingen zu einem virtuellen Kraftwerk zu entwickeln und so das übergeordnete Versorgungsnetz im Sinne der Energiewende zu unterstützen.

Conrad Troullier, Geschäftsführer und Betriebsleiter der Stadtwerke Solingen GmbH



Partner und Förderer


Partner:
  • Stadtwerke Solingen GmbH
  • SWS Netze Solingen GmbH
  • Stadt Solingen
  • Bergische Universität Wuppertal
  • Neue Effizienz - Bergische Gesellschaft für Ressourceneffizienz mbH
  • Voltabox AG
  • NetSystem Netzwerk- und Systemtechnik GmbH
Förderer:
  • Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BmVI)