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Stadt Arnsberg – Klimafolgenanpassung und konsequenter Hochwasserschutz

Jeder kennt sie: Die Bilder von überschwemmten Kellern, Straßen und kompletten Häusern. Und von verzweifelten Menschen, die ihre Existenz – im wahrsten Sinne des Wortes – dahin schwimmen sehen. So ähnlich muss es auch den Arnsberger Bürgern durch den Kopf gegangen sein, als der Hochwasseraktionsplan Ruhr – angestoßen vom Landesumweltministerium NRW vor dem Hintergrund des Oderhochwassers 1997 – die Gefahr vor der eigenen Haustür auf den Punkt brachte: Die Hälfte aller Schäden, die durch ein Jahrhunderthochwasser entlang der Ruhr entstehen, würden die Stadt Arnsberg treffen. Der finanzielle Schaden würde sich auf ca. 15 Mio. € belaufen...

Selbst bei kleineren Hochwasserereignissen wären deutliche Schäden zu erwarten. Und es gab in Arnsberg auch bereits einige Vorfälle: Bei den kleineren Zuflüssen der Ruhr im Stadtgebiet kam es in der Vergangenheit durch Starkregen zu massiven Überschwemmungen und Schäden alleine im öffentlichen Bereich von 1.1 Mio. €. Hinzu kamen Schäden an Privatimmobilien, die um ein Mehrfaches höher waren

Fortschrittsmotor Klimaschutz:

  • Erfolgreiche Vermeidung von Hochwasserschäden
  • Erhöhung der Lebensqualität der Bevölkerung
  • Wiederherstellung gesunder Ökosysteme
  • Musterbeispiel für andere Kommunen

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Foto: Bezirksregierung Arnsberg

Klimafolgenanpassung im größeren Stil: Im Bereich der Jägerbrücke ist die Renaturierung der Ruhr ein weiteres Beispiel für die ökologische Verbesserung des Gewässers und der Klimafolgenanpassung im urbanen Bereich von Alt-Arnsberg.



KlimaExpo.NRW stuft ehrgeizige Renaturierung als Vorzeigeprojekt ein

Nur auf Hochwasser zu reagieren ist angesichts der kurzen Vorwarnzeiten gefährlich und teuer. Rein technische Maßnahmen bringen massive städtebauliche und ökologische Verluste mit sich. In Arnsberg hat man sich deshalb stattdessen entschieden, die Ruhr konsequent auf bislang 10 km Länge zu renaturieren. Die Stadt Arnsberg geht durch die natürliche Klimafolgenanpassung einen vorbildlichen Weg, von dem Mensch und Natur profitieren. Deshalb hat die KlimaExpo.NRW diese ehrgeizige Klimaanpassungsmaßnahme nun in seine Liste qualifizierter Projekte mit aufgenommen: Die Initiative des Landes stellt bis zum Jahr 2022 ein Repertoire von Projekten zusammen, die die positiven Effekte von Klimaschutzmaßnahmen für Wirtschaft und Gesellschaft – den „Fortschrittsmotor Klimaschutz“ – besonders gut illustrieren. Über Kommunikationsaktivitäten von der regionalen bis zur internationalen Ebene und die Vernetzung zu einer kontinuierlich anwachsenden Leistungsschau werden die Projekte so zu Musterbeispielen des Klimaschutzes.

Arnsberger erleben ihren Fluss neu

Die Renaturierungsstrecken liegen in Arnsberg überwiegend dort, wo Schäden durch Hochwasser zu erwarten sind, also vornehmlich in besiedelten Bereichen. Bei den kleineren Gewässern wurden zunächst die vier am stärksten betroffenen Bäche erweitert und an den Ufern abgeflacht. Beim Starkregen im letzten Jahr zeigten sich bereits die ersten Erfolge dieser Maßnahmen: Es wurden an den angepassten Stellen keinerlei Schäden verursacht, obwohl dies im alten Ausbauzustand regelmäßig der Fall war.

Die umfangreiche Renaturierung führt in der Stadt Arnsberg zu einem Aufleben der Identifikation mit der Ruhr. Im Umfeld der renaturierten Bereiche sind neue Naherholungspotentiale und neue Gastronomiebetriebe entstanden. So führt z. B. der RuhrTalRadWeg entlang der Renaturierungsstrecken. Auch Umweltbildung und Kunstprojekte finden entlang der renaturierten Abschnitte statt. Dadurch wird die gesamte Stadt für Besucher wesentlich interessanter.

Renaturierung schafft neue Lebensräume

Der ökologische Zustand der Gewässer hat sich deutlich verbessert. Unterschiedliche Kleinstlebensräume wurden geschaffen, die es auch gefährdeten Tier- und Pflanzenarten ermöglichen, sich wieder anzusiedeln. Für die Anwohner konnten die Wohnbedingungen deutlich verbessert und der Wert der Grundstücke stabilisiert werden. Auch das ökologische Bewusstsein in der Bevölkerung steigt an. So engagieren sich inzwischen auch verschiedene Vereine ehrenamtlich in eigenen Renaturierungsprojekten.

Botschafter für die Region

Die Stadt Arnsberg sammelt seit zehn Jahren Erfahrungen, die für eine Umsetzung derartiger Maßnahmen in anderen Kommunen beispielgebend sein können, und macht dies für Andere nutzbar. Die vielfältigen positiven Effekte für die Bevölkerung und die Stadtentwicklung haben in Südwestfalen einige Kommunen bewegt, in ähnlicher Weise vorzugehen. Im Rahmen der „Regionale Südwestfalen“ hat sich eine Initiative für eine "Wasserkompetenzregion Südwestfalen" gebildet, die Motor und Ideengeber für weitere Projekte sein soll.

Klimafolgenanpassung an Gewässern Projektvideo

Video: KlimaExpo.NRW



Foto: KlimaExpo.NRW

„Dieses Projekt ist weit mehr als nur ein Klimaschutzprojekt. Es hat einen Mentalitätswandel angestoßen und ein ganz neues Bewusstsein gegenüber der Natur und der Region geschaffen.“

Hans-Josef Vogel, Bürgermeister Stadt Arnsberg



Partner und Förderer


Partner:
  • Umweltbüro Stadt Arnsberg
Förderer:
  • Land NRW