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Urbane Produktion

Wohnen und Arbeiten im Quartier

Städtische Ballungsräume sind gegenüber dem Klimawandel besonders empfindlich. Die dichte Bebauung und Bevölkerung stellen diese Gebiete vor besondere Herausforderungen. Umso bedeutender wird für die Gestaltung einer klimagerechten Zukunft der Aspekt einer nachhaltigen Stadtentwicklung. Um diese zu unterstützen, untersucht das Institut für Arbeit und Technik (IAT) mit verschiedenen Partnern im Forschungsprojekt „Urbane Produktion – Zurück in die Stadt“ die Möglichkeiten einer Rückführung produzierenden Gewerbes in die Städte. Mit den positiven klimarelevanten Auswirkungen sind zudem ökonomische und soziale Chancen verbunden, die mit den Ergebnissen der Forschung genutzt werden sollen.

Neue Mischformen von Leben und Arbeiten für eine nachhaltige Stadtentwicklung – mit diesem Ziel untersuchen die Forscher im Projekt Urbane Produktion, ob, wie und welches produzierende Gewerbe wieder in die Stadtquartiere Einzug halten kann. Dafür werden die notwendigen Veränderungen der Rahmenbedingungen, wie dem Planungsrecht und den damit verbundenen Lärmschutzrichtlinien und dem Immissionsschutzgesetz, die Finanzierungs- und Betreibermodelle sowie soziale Bedingungen geprüft. So können konkrete fördernde Maßnahmen ermittelt und erprobt sowie ein neues stadtplanerisches Leitbild entwickelt werden.

Fortschrittsmotor Klimaschutz:

  • Förderung nachhaltiger Produktion
  • Handlungsoptionen zur klimafreundlichen und wirtschaftlichen Stadt(teil)entwicklung
  • Neubelebung von Quartieren
  • Forschung in Reallaboren

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Foto: Luisa Gehnen, Die Urbanisten e.V

Am Tag der Eröffnung der Lutherkirche für die fünfmonatige Zwischennutzung nach fünf Jahren Leerstand bestand großes Interesse an den verschiedenen Mitmach-Angeboten vor Ort.



Emissionsarm und nachhaltig

Hintergrund des Forschungsvorhabens ist die vorherrschende Ausdifferenzierung der Städte in unterschiedliche Bereiche, wie Wohnen, Einkaufen, Arbeiten, Freizeit. Insbesondere für die Verlagerung der Produktion weg von den Kernstädten gab es gute Gründe: Lärm, Geruch, Schmutz und Schadstoffe. Dafür mussten verschiedene strukturelle Probleme, wie z.B. erhöhter Flächenverbrauch oder lange Transport- und Arbeitswege mit CO2-Emissionen, in Kauf genommen werden. Neue Produktionsformen, die zum Beispiel auf 3D-Druck basieren, stören dagegen niemanden und können problemlos in die Städte zurückgeführt werden. Die damit verbundenen Klimaschutzwirkungen sind vielfältig: Nutzung vorhandener Flächen, kürzere Transportwege und Ressourcen können in der Zusammenarbeit unterschiedlicher Gewerbe gemeinsam nachhaltig genutzt werden, beispielweise in Nutzungskaskaden oder über Upcycling.

Neue Chancen für Quartiere

Insbesondere für benachteiligte Stadtteile bieten sich mit Hilfe urbaner Produktion nicht nur klimarelevante Vorteile, sondern auch ökonomische und soziale Chancen. So ist mit der Ansiedlung von Gewerbe eine Belebung des Quartiers verbunden: Leerstände können vermieden, die Nahversorgung und der soziale Zusammenhalt im Quartier verbessert und insgesamt die Lebensqualität erhöht werden. Um Maßnahmen und Handlungsempfehlungen entwickeln zu können, die der Lebensrealität der Bürgerinnen und Bürger entsprechen und damit auf Offenheit und Akzeptanz stoßen, arbeitet das Projekt in der Praxis exemplarisch mit Anwohnern der Bochumer Stadtteile Langendreer und Wattenscheid zusammen. Dafür wurden mit sogenannten Reallaboren Räume geschaffen, um ein Gemeinschaftsgefühl im Quartier zu entwickeln, Vortragsveranstaltungen durchzuführen und gemeinsam die Möglichkeiten für die Ansiedlung von produzierenden Betrieben auszuloten. Die Ergebnisse sollen die nachhaltige Stadtentwicklung weiter vorantreiben und Kommunen für die Stadtplanung konkrete Möglichkeiten aufzeigen.


Foto: IAT

„Durch unsere Aktionen wollen wir die Wertschätzung gegenüber nachhaltigen Produkten und Produktion in der Stadt wieder steigern. Das LutherLAB ist dafür ein schönes Beispiel, da damit ein ungenutzter Raum gemeinschaftlich neu belebt wird und Prototypen oder Gegenstände für den Eigenbedarf hergestellt werden können.“

Kerstin Meyer, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut Arbeit und Technik im Forschungsprojekt UrbaneProduktion.ruhr