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Autofreie Siedlung Köln-Nippes: Verkehrsberuhigte Oase mitten in der Stadt

Auf dem Gelände des ehemaligen Eisenbahnausbesserungswerks in Köln-Nippes fahren Go-Karts, keine Autos: Denn vor über zehn Jahren begann hier die Geschichte der autofreien Siedlung. Eine verkehrsberuhigte Siedlung, in der Ideen zum Wohnen und Leben umgesetzt wurden und die Mobilität eine wichtige Rolle im Gesamtkonzept spielt.

2006 begann der Bau der Siedlung, die ersten Bewohnerinnen und Bewohner zogen ein und seit 2013 sind alle Bauarbeiten fertiggestellt und die Wohnungen bezogen. Die autofreie Siedlung in Köln ist eines von nur vier Quartieren dieser Art in Deutschland und darunter das zweitgrößte. Unterschiedliche Wohnformen sorgen für eine vielfältige Bewohnerstruktur: frei finanzierte und öffentlich geförderte Mietwohnungen, Eigentumswohnungen, Einfamilienhäuser, Stadt- und Solarpassivhäuser sowie Wohnungen für begleitetes Wohnen für geistig behinderte Menschen und ein Mehrgenerationenhaus. In den 455 Wohneinheiten bietet die autofreie Siedlung rund 1.550 Bewohnern ein attraktives Wohnumfeld.

Fortschrittsmotor Klimaschutz:

  • CO2-Ausstoß durch Mobilität 50 Prozent unter Bundesdurchschnitt pro Kopf
  • Kluger Verkehrsmittelmix ersetzt eigene PKWs
  • Hohe Lebensqualität durch gutes Mikroklima und wenig Lärm
  • Starker sozialer Zusammenhalt

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Foto: Privat

Die gesamte Siedlung ist als Fußgängerzone ausgewiesen. Radfahren ist mit angepasster Geschwindigkeit erlaubt. Autos dagegen müssen draußen bleiben (Blau- und Rotlichtverkehr ausgenommen). Bei Umzügen ist eine Sondergenehmigung möglich.



Autofrei – ohne auf Mobilität zu verzichten

Die gesamte Siedlung ist eine Fußgängerzone – die Bewohnerinnen und Bewohner bewegen sich zu Fuß, auf dem Fahrrad und viele Kinder auf ausleihbaren Go-Karts. Autos dürfen nur in absoluten Ausnahmesituationen in die Siedlung fahren. Noch wichtiger: Schon beim Einzug verpflichtet sich der Großteil der Bewohner vertraglich dazu, kein eigenes Auto zu besitzen. Nur 80 Haushalte dürfen ein Auto besitzen, für sie gibt es Stellplätze am Siedlungsrand. Damit kommen auf einen Haushalt der Siedlung weniger als 0,2 Stellplätze pro Auto. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 1,0. Insgesamt liegt der CO2-Ausstoß durch Mobilität pro Kopf 50 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt.

Um dennoch volle Mobilität zu gewährleisten, gibt es einen guten Anschluss an den öffentlichen Nahverkehr und zwei Carsharing-Stationen mit insgesamt 20 Autos. In einer Mobilitätsstation stehen den Bewohnern vielfältige Karren, Fahrradanhänger, Tandems, Go-Karts und Tretautos zur Ausleihe zur Verfügung. Das neue Leihsystem für E-Lastenräder in Köln, Donk-EE, richtet ebenfalls eine Station mit zwei Rädern in der autofreien Siedlung ein.

Die Mehrfamilienhäuser sind mit speziell konzipierten Fahrradtiefgaragen ausgestattet. Jede Wohnung verfügt über eigene Abstellplätze. Über Rampen können die Bewohner direkt in die Garage ein- und ausfahren. Ähnlich wie bei einer Autotiefgarage wird auch die Türe automatisch geöffnet und geschlossen.

Initiative aus der Bürgerschaft heraus

Die autofreie Siedlung geht auf bürgerschaftliches Engagement zurück. Ein Aktionskreis warb und kämpfte schon zehn Jahre vor Baubeginn um eine solche Siedlung. In dieser sorgt nun der Verein Nachbarn60 e. V. für Zusammenhalt, schafft Angebote für die Bewohner und ist Ansprechpartner und Botschafter nach außen.

Verminderung des Flächenverbrauchs ermöglicht kostengünstiges Bauen

Die wenigen PKW-Stellplätze sind ausschließlich in einem Parkhaus am Rande der Siedlung untergebracht. Dadurch sind vor allem geringer dimensionierte Straßenquerschnitte und ein stärker verdichtetes Bauen möglich – wodurch der Gesamtflächenverbrauch und die Infrastrukturkosten um bis zu 20 Prozent reduziert werden.

Ein beliebtes Quartier

Die autofreie Siedlung in Köln bietet den Bewohnern eine hohe Lebens- und Aufenthaltsqualität. Sie ist vor allem bei Familien mit Kindern außerordentlich beliebt und löst eine große Nachfrage aus. Es gibt lange Wartelisten, aber nur eine geringe Fluktuation. Die Bewohnerinnen und Bewohner profitieren ganz konkret von verbessertem Mikroklima und weniger Verkehrslärm in ihrem direkten Umfeld.


Foto: Privat

„Die Autofreie Siedlung zeigt, dass wirksamer Klimaschutz und hohe Mobilität kein Widerspruch sein muss. Und das bei einer hervorragenden Aufenthaltsqualität: Das Parkhaus am Siedlungsrand ermöglicht einen großen autofreien Siedlungsinnenraum.“

Hans-Georg Kleinmann, Vorstandsmitglied des Bewohnervereins



Partner und Förderer


Partner:
  • Handwerkerinnenhaus
  • Familienzentrum Kita Lummerland
  • Nippeser Radlager
  • Naturstrom
  • Arbeitskreis Autofreie Siedlung Köln e.V. / Nachbarn60 e.V.